
Internationaler Markt
Auf das Worst-Case-Szenario für die globalen Öl- und Gasmärkte am Mittwoch folgte gestern ein Deeskalationstag. Die Angreifer scheinen über die Wirkung der eigenen Attacken so erschrocken zu sein, dass sie es für geboten halten, vor weiteren Einlassungen Kreide zu fressen. Die Angegriffen rüsten nach einigen Gegenschlägen der Ehre kommunikativ ebenfalls ab. An den Ölbörsen reagiert man mit einer gewissen Erleichterung. Dass eine globale Wirtschaftskrise damit bereits abgewendet ist, fällt allerdings schwer zu glauben.
Seit Mittwoch gab es keine schweren Angriffe mehr auf Energieinfrastruktur im Nahen Osten. Israel zeigt sich zurückhaltender und geht davon aus, Irans militärische Fähigkeiten bereits hinreichend geschwächt zu haben. Netanjahu erwartet ein baldiges Kriegsende und signalisiert, dass die Offensive begrenzt ist. Zudem will er dem Wunsch des Weißes Hauses folgen und vorerst auf Angriffe des für den Iran so wichtigen Gasfelds South Pars verzichten. Der Iran betont, bei den Gegenangriffen, unter anderem auf den weltgrößten Gasanlagekomplex Ras Laffan in Katar, zurückhaltend operiert zu haben. Er warnt jedoch vor deutlich härteren Reaktionen bei weiteren Angriffen auf seine Anlagen.
Laut Qatar Energy wurden durch den iranischen Gegenschlag wichtige Anlagen im Ras-Laffan-Komplex beschädigt, die rund 17 Prozent der LNG-Exportkapazität ausmachen. Die Instandsetzung könnte bis zu fünf Jahre in Anspruch nehmen.
Im saudischen Yanbu wurde beim Gegenschlag eine Raffinerie angegriffen, wobei laut Riad mehrere Raketen abgefangen werden konnten. Der Angriff verstärkt die Unsicherheit rund um den Hafen Yanbu, der aktuell eine zentrale Rolle für die saudischen Ölexporte spielt, da dort eine Pipeline endet. Saudi-Arabien exportiert inzwischen rund 2,6 Mio. Barrel pro Tag über Yanbu. Das entspricht etwa 13 Prozent der Kapazität durch die Straße von Hormus. Auch internationale Akteure sind an dieser Alternative zur Meerenge interessiert. So plant die chinesische Unipec im März den Transport von rund 24 Mio. Barrel Rohöl über zwölf Supertanker von Yanbu aus. Sollten zukünftige Angriffe nicht nur die Raffinerie, sondern auch den Hafen selbst treffen, könnten diese wichtigen Exportströme einbrechen.
Die EU, Japan und Kanada zeigen mittlerweile Bereitschaft, Maßnahmen zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus zu unterstützen und zur Stabilisierung der Energiemärkte beizutragen. Gleichzeitig fordern sie die Deeskalation sowie ein Ende der Angriffe auf die Energie- und Marineinfrastruktur im Nahen Osten. Konkrete Schritte oder Bedingungen für einen möglichen Einsatz wurden allerdings nicht genannt.
Nach einer teilweisen Aufhebung der Sanktionen gegen russisches Öl erwägt die US-Regierung nun auch eine ähnliche Maßnahme für iranisches Öl, um die durch den Golfkonflikt stark gestiegenen Energiepreise zu senken.
Angesichts der zur Schau gestellten politischen Demut haben die Ölpreise einen Teil ihrer kriegsbedingten Aufschläge wieder verloren. Dennoch bleiben die Märkte sehr anfällig für neue Entwicklungen rund um die Straße von Hormus. Schäden an Infrastruktur und gestörte Lieferketten könnten die Preise schnell wieder steigen lassen, während diplomatische Fortschritte preisdämpfend wirken.
Heute Morgen macht sich das an den Börsen in Form gesunkener Ölnotierungen bemerkbar. Rohöl und Gasöl wurden zu Beginn deutlich unter den Vortagsspitzen gehandelt. Tendenziell steigen beide Kontrakte aber schon wieder.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 96,20 Dollar und das Barrel Brent zu 109,52 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1340,00 Dollar. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8644 Euro. Damit kostet der Euro 1,1566 Dollar.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise haben gestern ein neues Hoch im Verlauf des Iran-Kriegs erreicht. Im Tagesverlauf wurde es ein wenig reduziert. Damit befindet sich der Preis auf dem Niveau von Anfang November 2022 und immer noch deutlich unter dem Niveau des ersten Kriegsmonats in der Ukraine. Der Preis ist außerordentlich volatil. Derzeit kann er sich in jede Richtung bewegen. Eskalation und Deeskalation können zu sprunghaften Veränderungen führen.
In Deutschland sind uns weitgehend die Hände gebunden, auf den internationalen Teil der Preisentwicklung Einfluss zu nehmen. Einflussnahme fordern aber viele Bürger von der Regierung. Diese Forderung mündet reflexartig in den Tankstellenpreisen. Dort werden wieder einmal Spontangesetzaktionen geplant. Sie werden aufgrund der emotionalisierten Lage mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu schlechten Resultaten und einem späteren Bedauern über das Kreierte führen. Die Vergangenheit kennt viele Beispiele dieser Art. Aktuell steht dabei das österreichische Tankstellenpreismodell hoch im Kurs. In Österreich ist man allerdings keinesfalls zufriedener mit der Spritpreisentwicklung als in Deutschland. Einfacher wäre es zu akzeptieren, dass Preise in einer Marktwirtschaft in erster Linie auf Basis von Angebot und Nachfrage gebildet werden. Ausreißer noch oben und nach unten gehören zu diesem Wirtschaftsmodell.
Wenn die Politik eine modellgerechte Wohltat wegschenken wollte, könnte sie bei den eigenen Einnahmen beginnen. Der steuer- und abgabenbedingte Anteil im Spritpreis beträgt normalerweise zwischen 68 und 74 Prozent. Aufgrund der hohen Weltmarktkosten ist er in dieser Phase auf 62 bis 67 Prozent gesunken. Beim Heizöl sind die Steuern geringer. Das zeigt der Vergleich zwischen einem Liter Heizöl und einem Liter Diesel. Stofflich handelt es sich um ein fast identisches Produkt. Preislich stehen 1,44 € und 2,22 € gegenüber.
Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt ist so gut wie zusammengebrochen. Die Hoffnung auf tiefere Preise folgt der realen Preisentwicklung mit etwas Zeitversatz. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf niedrigem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem außerordentlich geringen Wert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Freiwillig kauft man in diesen Tagen natürlich kein Heizöl. Es sei aber darauf hingewiesen, dass der Preis weiter steigen dürfte und dass man auf keinen Fall volltanken muss.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Quelle: esyoil