Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Als letzte der drei Institutionen, die für die monatliche Zustandsbeschreibung des globalen Ölmarkts berufen sind, legte die IEA (Internationale Energie Agentur) gestern ihren Bericht vor und verband das mit weitergehenden Einlassungen zur Lage. Im Zentrum stand dabei die Freigabe von 400 Mio. Barrel aus den strategischen Reserven der Organisation, die von vielen Marktteilnehmern kritisiert wird. Laut IEA-Direktor Fatih Birol habe die Maßnahme bereits einen starken Einfluss auf die Energiemärkte gezeigt, die nach der Schließung der Straße von Hormus mit einer der größten Versorgungsunterbrechungen in der Geschichte des globalen Ölmarktes konfrontiert sind. Die koordinierte Freigabe der 32 IEA-Mitgliedsstaaten solle helfen, die Ölmärkte zu stabilisieren und einen massiven Preisschock zu verhindern.

Der Nahostkonflikt hat zu einem starken Einbruch der Ölproduktion von über 10 Mio. Barrel pro Tag geführt. Hauptgrund sind Angriffe auf Energieanlagen, fehlende Exportmöglichkeiten durch die gesperrte Straße von Hormus und begrenzte Lagerkapazitäten, wodurch viele Förderanlagen heruntergefahren oder ganz stillgelegt werden mussten. Besonders stark betroffen ist der Irak, dessen Produktion innerhalb von zwei Wochen von 4,3 auf etwa 1,3 Mio. Barrel pro Tag gefallen ist. Die Regierung versucht nun, die Förderung zumindest bei rund 1,4 Mio. Barrel pro Tag stabil zu halten, um die Wirtschaft und Versorgung im Land zu sichern.

So scharf wie die gestrigen Äußerungen ist die Lagebeschreibung im Monatsbericht noch nicht. Er läuft der Aktualität hinterher. Die ursprünglich erwartete Überversorgung des Ölmarktes für 2026 wird darin nach unten korrigiert. Statt der im Februar prognostizierten 3,7 Mio. Barrel pro Tag erwartet man nun nur noch einen Überschuss von 2,4 Mio. Barrel pro Tag. Grund für die Anpassung ist vor allem eine stark reduzierte Prognose für das Angebotswachstum. Die weltweite Ölproduktion soll 2026 nur noch um 1,1 Mio. Barrel pro Tag steigen und dieses Wachstum werde ausschließlich von Nicht-OPEC-Plus-Ländern kommen.

Gleichzeitig wird auch die Nachfrage schwächer eingeschätzt, unter anderem wegen hoher Ölpreise und einer schlechteren wirtschaftlichen Lage. Die IEA erwartet für 2026 eine Nachfrage von 104,8 Mio. Barrel pro Tag bei einem Angebot von 107,2 Mio. Barrel pro Tag. Im Bericht wird bereits auf eine zu erwartende Störung in der Straße von Hormus und eine mögliche Freigabe von strategischen Reserven hingewiesen. Letzte sei aber nur eine vorübergehende Lösung, während die tatsächlichen Auswirkungen vom Verlauf des Konflikts und den realen Transportstörungen abhingen.

Gemäß einer inoffiziellen Stellungnahme will China einen anderen Weg gehen. Vorerst sollen trotz drohender Importausfälle aus dem Nahen Osten weder kommerzielle noch strategische Ölreserven freigeben werden. Eine Anfrage des Raffineriekonzerns Sinopec, rund 95 Mio. Barrel Rohöl aus den Reserven zu nutzen, wurde von den Behörden abgelehnt. Stattdessen sollen Raffinerien ihre Exporte stoppen und sich auf die Versorgung des heimischen Marktes konzentrieren. China verfügt mit geschätzten 1,3 bis 1,4 Mrd. Barrel über die größten Ölreserven der Welt. Nun könnte man orakeln, dass Peking sich auf einen sehr langen Konflikt einstellt.

Derweil haben die USA eine zeitlich begrenzte Ausnahme von den Sanktionen gegen russisches Öl erteilt, um den Preisdruck auf den Energiemärkten zu senken. Für 30 Tage dürfen Länder russisches Öl kaufen, das bereits vor dem 12. März verschifft wurde und sich schon auf dem Transportweg befindet. Die Maßnahme erweitert eine zuvor nur für Indien geltende Ausnahmeregelung auf weitere Länder, schließt jedoch Käufe durch den Iran aus.

Einen in den Raum gestellten Geleitschutz für Handelsschiffe in der Straße von Hormus können die USA indes noch nicht anbieten, da die Armee seine Kapazitäten momentan auf Angriffe gegen iranische Militärressourcen und Waffenproduktion konzentriert. Ein solcher Schutz könnte jedoch voraussichtlich bis Ende des Monats eingerichtet werden.

An den Ölbörsen blickt man vor dem Wochenende auf eine extrem volatile Handelswoche zurück. Die Handelspanne für Rohöl Brent betrug 38 Dollar pro Barrel, die für die US-Sorte WTI sogar 43 Dollar pro Barrel. Heute Morgen hält Brent das Niveau von gestern Abend, während Gasöl rund vier Prozent nachgibt. Unter normalen Bedingungen wäre der Rückgang bemerkenswert. Jetzt ist er ein beiläufiger Teil der Volatilität. Immerhin, momentan erweckt das Börsengeschehen nicht den Eindruck eines Aufwärtstrends.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 95,77 Dollar und das Barrel Brent zu 101,02 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1113,75 Dollar. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8727 Euro. Damit kostet der Euro 1,1456 Dollar.

Nationaler Markt

Die Heizölpreise bewegen sich kaum, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Damit folgen sie nicht den internationalen Vorgaben in Form der Gasölnotierungen. Das ist angesichts der gigantischen Volatilität auch kaum machbar. Aus statistischer Perspektive werden die Preise weiter steigen. Dieser Schluss ergibt sich aus einem Blick auf die Preischarts in den verschiedenen Zeitbereichen. Ob es wirklich so kommen wird, ist vollkommen ungewiss.

Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt ist zusammengebrochen. Die Hoffnung auf tiefere Preise folgt der realen Preisentwicklung mit etwas Zeitversatz. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf niedrigem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem knappen Minderheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Unser mathematisches Tiefpreissystem weist in einigen Regionen der Republik Handelssignale aus. Es reagiert damit auf die extreme Volatilität im Markt. Eine Kaufempfehlung darin zu erkennen, fällt schwer.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Freiwillig kauft man in diesen Tagen natürlich kein Heizöl. Es sei aber darauf hingewiesen, dass der Preis weiter steigen dürfte und dass man auf keinen Fall volltanken muss.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Quelle: esyoil