Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

USA und Iran haben ein Ende ihres Krieges versprochen. An den Börsen ersetzt Glauben nun das Hoffen. Die Ölpreise ziehen sich zurück. Rohöl Brent nähert sich der 80-Dollar-Marke und Gasöl, das Vorprodukt für Heizöl und Diesel, befindet sich im Einzugsgebiet von 900 Dollar pro Tonne. Das klingt wunderbar, bringt aber noch keine tieferen Preise als die April-Hoffnung auf Wiederherstellung der Normalität. Die Kontrahenten wollen ihr Verhandlungsergebnis kommenden Freitag unterzeichnen. Wenn sie Provokationen zwischenzeitlich unterlassen, werden die Ölpreise bis dahin die April-Tiefs schassen. Begonnen hat das Desaster übrigens bei Preisen von 71 Dollar für das Barrel Brent und 710 Dollar für die Tonne Gasöl.

Goldman Sachs hatte die Eingebung, die Preisprognose für Rohöl Brent im Jahr 2027 bereits vor der Bekanntgabe eines Kriegsendes von 85 auf 80 Dollar pro Barrel zu senken. Grund dafür sind eine erwartete Abschwächung der Ölnachfrage, insbesondere in China durch den zunehmenden Einsatz von Elektroautos und Bahnverkehr, sowie steigende Fördermengen aus Ländern wie den USA, Brasilien, Guyana, Venezuela und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Prognose für das vierte Quartal 2026 bleibt hingegen bei 90 Dollar je Barrel. Die Investmentbanker gingen davon aus, dass sich die Öltransporte durch die Straße von Hormus bis Ende August weitgehend normalisieren werden. Eine schnellere Normalisierung könnte die Preise bis Ende dieses Jahres indes auf etwa 70 Dollar drücken.

Ob die Goldmänner eine Vorahnung hatten oder nur ins Blaue geschossen haben, ist nicht bekannt. Fakt ist hingegen, dass sich USA und Iran überraschend auf ein Abkommen geeinigt haben. Der Krieg sei damit bereits beendet, auch wenn dieser Umstand erst Freitag offiziell fixiert wird. Zudem wird die wichtige Straße von Hormus nach Abschluss von Minenräumungen wieder geöffnet. Das Abkommen sieht zunächst eine 60-tägige Waffenruhe vor, während beide Seiten über einen dauerhaften Vertrag verhandeln. Ein zentraler Streitpunkt bleibt dabei das iranische Atomprogramm.

Trotz der Einigung zwischen den USA und Iran bleiben viele Marktteilnehmer vorsichtig. Händler und Analysten verweisen auf fehlende Details des Abkommens, mögliche Risiken bei der Wiederöffnung der Straße von Hormus sowie den langen Zeitraum, der für die Wiederherstellung der Ölproduktion benötigt wird. Zwar müssen noch Minen geräumt und weitere praktische Hürden überwunden werden, dennoch sorgt die Aussicht auf eine schrittweise Rückkehr der Öllieferungen für den Abbau der geopolitischen Risikoprämie im Ölpreis. Experten gehen davon aus, dass schon eine Wiederaufnahme der Transporte von 60 bis 70 Prozent des Vorkriegsniveaus ausreichen könnte, um den Ölmarkt wieder in eine Überversorgung zu führen und den Preisdruck nach unten zu erhöhen.

Nun frohlockt man also. Kritische Stimmen werden angesichts des unsinnigen Waffengangs, der kaum zu einem besseren Vertrag mit dem Iran führen wird, als der von Donald Trump in seiner ersten Amtszeit gekündigte, aber nicht verstummen. So wirft Indien den USA vor, beim Umgang mit russischem und iranischem Öl widersprüchlich zu handeln. Laut Außenminister Jaishankar hätten die USA Indien 2022 sogar dazu ermutigt, mehr russisches Öl zu kaufen, um die globalen Energiemärkte zu stabilisieren. Später sei Indien dafür jedoch kritisiert und mit Strafmaßnahmen belegt worden. Trotz zeitweiser Sanktionen wurden die US-Beschränkungen gegen russisches Öl später mehrfach gelockert. Zudem sorgen Vorfälle mit Schiffen, die mit dem iranischen Ölhandel in Verbindung stehen und von US-Streitkräften angegriffen wurden, für zusätzliche Spannungen zwischen Indien und den USA.

An den Börsen bewegen sich die Ölnotierungen heute Morgen weiter abwärts. Die Angelegenheit verläuft mittlerweile moderat. Man darf gespannt sei, ob mit dem Auftritt der US-Broker am Nachmittag noch einmal Schwung in die Bewegung kommt.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 80,65 Dollar und das Barrel Brent zu 83,39 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 925,00 Dollar. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8615 Euro. Damit kostet der Euro 1,1605 Dollar.

Nationaler Markt

Die Heizölpreise setzen ihre Abwärtsbewegung fort, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Damit folgen sie den internationalen Vorgaben in der Richtung, aber noch nicht in der Höhe. Das wird noch geschehen. Es kann aber einige Tage dauern. Der Binnenhandel muss nun teurer eingekaufte Ware mit günstig eingekaufter Ware in einer Mischkalkulation zu Markte tragen. Da zuvor über drei Monate kein Geld mit Heizöl zu verdienen war, fehlt es nun an einem finanziellen Puffer, um die Operation zu beschleunigen. Immerhin, die Zeichen für einen verlässlichen Abwärtstrend werden heller.

Im Binnenmarkt halten sich Kunden mit Heizölbestellungen noch zurück. Die Hoffnung auf tiefere Preise schießt indes in die Höhe. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf niedrigem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem sehr hohen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Ein Ende des erhöhten Preisniveaus ist noch nicht in Sicht, aber bereits in der Phantasie. Deshalb sei daran erinnert, dass die Bestellung einer Teilmenge, immer eine Option zum Volltanken ist.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Quelle: esyoil