Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Die Rohölpreise sind gestern kräftig gestiegen. Brent-Rohöl legte um mehr als vier Dollar zu und ging mit über 102 Dollar je Barrel aus dem Handel. Heute gaben die Notierungen am frühen Morgen nur leicht nach.

Die Spannungen in der Golfregion steigen wieder. Zum einen schickt das Pentagon einen weiteren Flugzeugträger und bis zu 10.000 zusätzliche Soldaten in das Krisengebiet. Die Rhetorik im Weißen Haus wird gleichzeitig schriller. US-Präsident Trump drohte dem Iran mit der Vernichtung, wenn kein Abkommen erzielt werden sollte. Nach Medienberichten erwägt Washington neue Angriffe nach den Kongresswahlen Anfang November. Der Iran würde wohl mit Angriffen auf Ölanlagen in der Region antworten. Kein Wunder also, dass die Ölpreise im Moment wieder anziehen.

Auch die Versorgung mit Ölprodukten trübt sich ein. Chinesische Raffinerien haben ihre Exporte vorläufig ausgesetzt. Peking will offenbar die heimischen Lagerbestände auf einem hohen Niveau halten. Damit fällt ein weiterer Lieferant für den Weltmarkt aus.

Russland hatte sein Exportverbot für Diesel bereits bis Ende Oktober verlängert. Präsident Putin erklärte gestern, dass russischer Diesel erst wieder auf den Weltmarkt kommt, wenn die Sanktionen des Westens aufgehoben werden. Die verbale Kraftmeierei ist allerdings leicht durchschaubar. Russland kann im Moment weder Diesel noch Benzin exportieren, da viele Raffinerien nach ukrainischen Angriffen erst wieder repariert werden müssen.

Im Dieselmarkt bleibt die Lage angespannt. Das Weiße Haus erhöht den Druck auf Europa. Deutschland und Frankreich sollen ihre Notreserven auf den Markt werfen, um die Preise auch jenseits des Atlantiks zu drücken. Andernfalls drohe ein Exportverbot für US-Diesel. Im Gespräch sind 120 Millionen Barrel von der EU insgesamt über einen Zeitraum von sechs Monaten. Die Energie-Taskforce der EU berät heute über das Thema.

Der Markt spekuliert offenbar darauf, dass die EU einknickt. Rohöl bleibt teuer, aber Gasoil (Diesel/Heizöl) wird billiger. Brent-Rohöl kostet aktuell 101,42 US-Dollar je Barrel Die US-Rohölsorte WTI steht bei 91,71 US-Dollar je Barrel . ICE-Gasoil wird zu 1.416,50 Dollar je Tonne gehandelt . Der US-Dollar ist 0,8883 Euro wert. Der Euro notiert bei 1,1254 Dollar .

Nationaler Markt

Die sinkenden Preise für Gasoil kommen im deutschen Heizölmarkt noch nicht an. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen landesweiten Durchschnittspreis von 167 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Das ist in etwa derselbe Preis wie gestern um diese Uhrzeit.

Der schwache Euro verhindert im Moment einen nennenswerten Preisnachlass. Auch die Lage am Rhein verhindert eine Entspannung. Die Pegel bleiben extrem niedrig. Die Frachtraten für Tankschiffe verharren auf hohem Niveau. Für die zweite Hälfte der nächsten Woche erwarten die Prognosen leicht steigende Pegel. Frühere Vorhersagen wurden aber deutlich nach unten korrigiert.

Die Kaufbereitschaft, also das Verhältnis zwischen Preisanfragen und Bestellungen, bleibt im mittleren Bereich. Der Markt ist lebendig, aber nicht hektisch. Die Zahl der Bestellungen bleibt vergleichsweise hoch. Die Stimmung hat sich weiter eingetrübt. In der täglichen Lesereinschätzung rechnen jetzt 37 Prozent der Stimmen mit steigenden Preisen. Gestern waren es 29 Prozent.

Abgesehen von den immer noch milden Temperaturen gibt es allerdings nur wenige Gründe für Optimismus. Die Freigabe der deutschen Dieselreserven könnte nur ein Strohfeuer entfachen. Doch im Moment weiß niemand, wie lange die Krise am Persischen Golf und der Exportstopp Russlands noch andauern werden. Da wäre es vernünftiger, die strategischen Lager für echte Notfälle zu schonen. Das gilt auch für den eigenen Heizkeller. Trotz der hohen Preise sollte der Tank zumindest für den kommenden Winter ausreichend gefüllt sein.

Quelle: esyoil