
Internationaler Markt
Die Rohölpreise klettern heute den fünften Tag in Folge auf knapp 92 Dollar je Barrel. Auslöser ist eine neue Ankündigung aus Washington. US-Präsident Trump will den Wirtschaftskrieg gegen den Iran mit einem neuen Maßnahmenpaket verschärfen. Zusätzliche Sanktionen gegen Geschäftsbeziehungen mit dem Ausland und mehr Kontrollen über Finanztransfers sollen Teheran in die Knie zwingen.
Die eigentliche Nachricht ist allerdings zwischen den Zeilen: Trump rückt offenbar von der militärischen Option ab. Die Luftschläge der vergangenen Monate haben ihre Wirkung verfehlt, und für Bodentruppen fehlt ihm kurz vor den Wahlen im November der innenpolitische Spielraum.
Für den Ölmarkt bedeutet das, dass ein schnelles Ende des Konflikts und damit eine vollständige Öffnung der Straße von Hormus vorerst nicht in Sicht sind. Der Schiffsverkehr lag gestern unverändert auf dem niedrigen Niveau der Tage davor.
Das gilt umso mehr, als die Wirksamkeit der neuen Sanktionen zweifelhaft ist. Nahezu das gesamte iranische Rohöl geht nach China. Es ist im Moment schwer vorstellbar, dass Trump eine Konfrontation mit Peking riskiert, zumal Präsident Xi im September in den USA empfangen werden soll.
Etwas wirksamer dürfte die Entscheidung der Vereinigten Arabischen Emirate sein, sämtliche Finanz- und Handelsbeziehungen zum Iran auszusetzen. Die Emirate waren zuletzt Teherans wichtigster Handelspartner.
Am zweiten Brennpunkt der internationalen Ölmärkte steht Moskau vor immer größeren Problemen. Die Ölexporte aus den russischen Westhäfen lagen in der ersten Augusthälfte 15 Prozent unter Plan. Vor allem aus Novorossiysk am Schwarzen Meer gelangte nur wenig Öl auf die Märkte. Im Inland machen sich die ukrainischen Drohnenangriffe vor allem an der Zapfsäule bemerkbar: Rosneft, Gazprom Neft und Lukoil geben den Sprit nur noch rationiert ab, in vielen Regionen nur 30 Liter Benzin je Fahrzeug.
Der gestrige Wochenbericht zum amerikanischen Ölmarkt fiel gemischt aus. Die gewerblichen Rohölbestände sprangen um 4,4 Mio. Barrel nach oben, während Analysten einen Abbau von 0,6 Mio. Barrel erwartet hatten. Der Aufbau dürfte allerdings zu einem guten Teil aus der strategischen Reserve stammen, die um 5,3 Mio. Barrel schrumpfte. Auf der Produktseite bestätigte sich dagegen die Knappheit: Die Destillatbestände (Diesel, Heizöl u.a.) sanken die dritte Woche in Folge, obwohl die Raffinerien mit der höchsten Auslastung seit 2019 fuhren.
Hier die Zahlen des US-Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderungen der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche:
∙ Rohöl: +4,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,3 Mio. Barrel (API)
∙ Cushing (US-Zentrallager): -1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,4 Mio. Barrel (API)
∙ Heizöl und Diesel: -1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,8 Mio. Barrel (API)
∙ Benzin: +0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,1 Mio. Barrel (API)
∙ SPR-Rohöl (Staatliche Ölreserven der USA): -5,3 Mio. Barrel (DOE)
Die Ölbörsen gehen mit uneinheitlichen Notierungen in den neuen Handelstag: Rohöl wird teurer, Gasoil wird billiger. Brent-Rohöl kostet aktuell 91,79 US-Dollar je Barrel. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 86,00 US-Dollar je Barrel . ICE-Gasoil wird zu 1279,00 Dollar je Tonne gehandelt . Der US-Dollar ist 0,8563 Euro wert . Der Euro steht bei 1,1675 Dollar.
Nationaler Markt
Im deutschen Heizölmarkt fallen heute die Preise. Die Heizölpreis-Tendenz liegt am Morgen nur noch bei knapp 133 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Vor allem die schwächeren Notierungen für Gasoil, das Vorprodukt für Diesel und Heizöl, und der feste Euro unterstützen den Preistrend.
Die Kaufbereitschaft bleibt dennoch verhalten. In der täglichen Lesereinschätzung haben die Preisoptimisten leicht die Nase vorn: 54 Prozent der Stimmen rechnen mit fallenden Preisen, 46 Prozent erwarten einen weiteren Anstieg.
Fazit: Die Krise am Persischen Golf bleibt ungelöst. Washington wechselt im Wochentakt die Strategie, wirkt aber zunehmend ratlos. Trumps Verzicht auf eine militärische Lösung bedeutet im Umkehrschluss, dass die Blockade der Straße von Hormus länger bestehen bleibt. Die langsam steigenden Rohölpreise und die hohen Preise für Kraftstoffe und Heizöl spiegeln das wider. Wer für den Herbst und den Winter noch nicht versorgt ist, sollte nicht zu lange warten.
Quelle: esyoil