Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Vor einer Woche weigerten sich die Marktteilnehmer mehrheitlich noch an ein Scheitern der USA-Iran-Verhandlungen zu glauben. Das hielt die Ölpreise auf einem tieferen Niveau. Rohöl der Sorte Brent bewegte sich 14 Tage lang um einen Durchschnittspreis von 95 Dollar pro Barrel. Gasöl, das Vorprodukt für Heizöl, schwang um 1.180 Dollar pro Tonne. Mittlerweile wird die Realität eingepreist. Die Notierungen steigen Tag für Tag höher. Brent kostet nun 107 Dollar und Gasöl 1.280 Dollar. Die einzig positive Feststellung zur Lage ist, dass der Anstieg nicht panisch erfolgt.

Dazu mag folgende Einschätzung aus dem Haus Goldman Sachs beitragen. Zwar ist die Ölproduktion am Persischen Golf um verheerende 57 Prozent eingebrochen. Das heißt aber nicht, dass dieser Absturz in Stein gemeißelt ist. Bei einem baldigen Kriegsende könnten etwa 70 Prozent der Produktion innerhalb von drei Monaten wieder anlaufen. Binnen sechs Monaten können sogar 88 Prozent erreicht werden. Wenn die Exportprobleme anhalten, könnte sich die Erholung allerdings verzögern. Insgesamt sind die Einschätzungen von Goldman Sachs deutlich positiver als die der Internationalen Energie Agentur (IEA), die mit einer vollständigen Erholung erst nach rund zwei Jahren rechnet.

Für ein baldiges Ende der Exportprobleme gibt es derzeit leider keine Signale. Im Konflikt zwischen den USA und dem Iran herrscht ein Patt. Direkte Gespräche zwischen den Kriegsparteien gibt es nicht. Der mächtigste Mann der Welt, als der ein US-Präsident gern bezeichnet wird oder sich selbst bezeichnet, wirkt vollkommen ratlos. Derweil praktiziert der Iran das seit Jahren eingeübte Spiel auf Zeit. Aktuell geschieht das mit dem unbestätigten Vorschlag, die Straße von Hormus zu öffnen und den Krieg zu beenden, bevor ein Atomabkommen geschlossen wird. Verhandlungen darüber sollten auf spätere Zeit verschoben werden. Für die Durchsetzung des Atomabkommens haben die USA und Israel aber den aktuellen Waffengang angezettelt.

Zeitgleich sucht der Iran diplomatische Unterstützung. Aktuell ist Außenminister Araghtschi in Russland, um mit Putin über ein mögliches Ende des Konflikts zu sprechen. Ergebnisse sind bislang offen. Spannender als die Begegnung der beiden unter Druck stehenden Kriegsnationen dürfte das Wirken Chinas hinter den Kulissen sein, da das Land mehr als die westliche Konkurrenz auf Öl vom Persischen Golf angewiesen ist. Während der Ukraine-Krieg China einen Vorteil verschafft, da er die Aufmerksamkeit der USA mehr nach Europa als nach Asien lenkt, ist das aktuell fehlende Öl eine unzweifelhafte Bedrohung für Chinas ambitionierte Wirtschaftspläne.

Hinsichtlich der Preisentwicklung haben die eingangs zitierten Goldmänner ihre Werte angepasst. Für die Sorte Brent wird im vierten Quartal ein Durchschnittspreis von rund 90 Dollar pro Barrel prognostiziert. Zuvor waren es 80 Dollar. Auch für die kommenden Quartale wurden die Erwartungen nach oben korrigiert. Angesichts der aktuellen Preise muten die Zahlen moderat an. Derzeit wird noch der Krieg bepreist, nicht panisch, sondern ernsthaft. Dabei kann es für Brent auch mal über 120 Dollar hinausgehen. Je länger das Kriegsende hinausgeschoben wird, umso mehr wird die Ölnachfrage nachgeben. Das geschieht nicht ohne sichtbare Spuren in der Wirtschaft.

Heute Morgen bewegen sich die Ölnotierungen an den Börsen über den Freitagshochs. Beim Rohöl macht sich dieser Befund stärker bemerkbar als beim Gasöl.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 96,85 Dollar und das Barrel Brent zu 108,16 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.288,00 Dollar. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8515 Euro. Damit kostet der Euro 1,1741 Dollar.

Nationaler Markt

Die Heizölpreise steigen wieder, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Die einigermaßen moderat verlaufende Bewegung folgt den internationalen Vorgaben. Dieser Umstand deutet darauf hin, dass die extremen Börsenbewegungen überwunden sind oder, in anderen Worten, dass die Volatilität sinkt. Das heißt leider nicht, dass damit auch die Heizölpreise sinken. Die Trendkanäle für die verschiedenen Zeitbereiche weisen in den preisrelevanten Ansichten in Gänze aufwärts. Damit ist nicht die Wahrheit aber eine Wahrscheinlichkeit festgestellt.

Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt ist wieder unterirdisch. Die Hoffnung auf tiefere Preise ist hingegen noch vorhanden. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf niedrigem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem schwachen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Freiwillig kauft man in diesen Tagen sicher kein Heizöl. Man wird sich allerdings für längere Zeit an das erhöhte Niveau gewöhnen müssen. Deshalb sei daran erinnert, dass man auf keinen Fall volltanken muss.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Quelle: esyoil