Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Die Lage am Ölmarkt ist stabil instabil. Keine der geopolitischen Ursachen, die die Ölversorgung bedrohen, ist gelöst. Dennoch konnten sich in den letzten Wochen erstaunlich volumenreiche Ölströme ausbilden. Das gilt insbesondere für den Nahen Osten. Dort übertrafen die Ölexporte im September alle Erwartungen. Mit durchschnittlich 19 Mio. Barrel pro Tag erreichten sie über 80 Prozent des Vorkriegsniveaus von 23,6 Mio. Barrel pro Tag.

Entscheidend für den Erfolg ist vor allem Saudi-Arabien. Das Königreich hat seine Lieferungen massiv ausgeweitet und dabei flexibel zwischen seinen Exportwegen umgeschichtet. Nachdem ein Angriff auf die Ost-West-Pipeline zeitweise die Ausfuhren über den Rotmeerhafen Yanbu beeinträchtigt hatte, verlagerte Saudi-Arabien wieder größere Mengen an seine Terminals am Persischen Golf. Mit der Wiederinbetriebnahme der Pipeline Ende September konnte Riad schließlich beide Küsten stärker nutzen. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate und der Irak erhöhten ihre Lieferungen.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die trotz des Krieges wieder stärkere Nutzung der Straße von Hormus. Tanker passieren die Meerenge teilweise mit abgeschaltetem AIS-Ortungssystem und werden anschließend über Satellitenbilder, Tiefgangsänderungen und Hafeninformationen identifiziert. Hinzu kommen sogenannte Ship-to-Ship-Transfers im Golf von Oman, bei denen Öl von Shuttle-Schiffen auf Supertanker umgeladen wird. Diese Infrastruktur stößt inzwischen allerdings an Kapazitätsgrenzen. Die Erholung beruht daher nicht auf einer vollständigen Normalisierung der Schifffahrt, sondern auf einem aufwendigeren und teureren Logistiksystem.

Der iranische Ölexport ist aufgrund der US-Seeblockade indes weitgehend zum Erliegen gekommen. Vor dem Krieg exportierte das Land knapp 2 Mio. Barrel pro Tag. Wenn man diesen Ausfall einbezieht, verliert die Exportbilanz der Golf-Anrainer ein wenig an Glanz. Dann werden aktuell gut 77 Prozent des Vorkriegsniveaus von 25,6 Mio. Barrel pro Tag erreicht.

Um die Wirkung der Entwicklung auf die Ölpreise zu verstehen, ist eine differenzierte Betrachtung erforderlich. Beim Rohöl wurden im September bereits rund 91 Prozent der früheren Exportmengen erreicht. Raffinierte Produkte kamen dagegen lediglich auf 60 Prozent. Damit wird klar, dass das eigentliche Preisproblem nicht die Rohölversorgung, sondern ungenügende Verfügbarkeit von Diesel, Kerosin und anderen Kraftstoffen ist. Dieses Problem wird mit den ukrainischen Attacken auf russische Raffinerien zudem verschärft.

Beschädigte Raffinerien und eingeschränkte Produktlieferungen wirken ganz besonders auf die internationalen Heizöl- und Dieselpreise. Während der Rohölpreis in Europa aktuell 37 Prozent und in den USA 32 Prozent über dem Preis vom Vortag des Angriffs auf den Iran liegt, ist das europäische Gasöl, das Vorprodukt für Heizöl und Diesel, 80 Prozent und das amerikanische Heating Oil 116 Prozent teurer als vor dem Krieg.

Eine nachhaltige Entspannung lässt sich aus der aktuellen Entwicklung nicht ableiten. Die neuen Transportketten sind teuer, die Kapazitäten für Umladungen begrenzt und sowohl Tanker als auch Pipelines und Hafenanlagen bleiben potenzielle Angriffsziele. Die September-Zahlen zeigen daher vor allem, wie anpassungsfähig die Golfstaaten ihre Ölexporte organisiert haben. Sie zeigen aber nicht, dass die Versorgungslage wieder normal wäre. Für Heizölkunden bleibt insbesondere die Knappheit bei raffinierten Produkten entscheidend.

Heute Morgen setzen die Börsen die jüngst eingeschlagene Richtung fort. Rohöl- und Gasölnotierungen geben weiterhin nach. Man könnte meinen, sie wollten den skeptischen Blick auf die oberflächlich positiv anmutende Lage Lügen strafen.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 88,44 Dollar und das Barrel Brent zu 99,82 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.355,00 Dollar. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8895 Euro Damit kostet der Euro 1,1240 Dollar

Nationaler Markt

Die Heizölpreise geben etwas nach, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Mehr als die geringfügige Preisverbesserung zählt hier die eingeschlagene Richtung. Sie folgt den internationalen Vorgaben und sie ist trendbilden. Aktuell drückt sie auf die untere Begrenzung des aufwärts gerichteten kurzfristigen Trendkanals. Insgesamt haben sich die Preise in den letzten drei Wochen mit einem Rückgang von über acht Prozent recht freundlich entwickelt. Im Vergleich zu der Zeit vor Beginn des Krieges zwischen den USA und Iran stehen sie aber immer noch bei einem Plus von fast 70 Prozent. Ein wirklich nennenswerter Abbau ist nach wie vor nicht in Sicht. Eingepreist sind übrigens die Anteile des hohen Frachtaufschlags für Transporte auf dem Rhein. Die Pegel der Wasserstraße kommen einfach nicht hoch. Die Aufschläge liegen weiterhin jenseits von 200 Prozent. Sie dürften dennoch vor dem Ende der Kriege in Europa und im Nahen Osten verschwinden.

Im Binnenmarkt zieht die Nachfrage an. Die Hoffnung auf fallende Preise hängt derweil zwischen Baum und Borke fest. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf hohem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem gewöhnlichen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Das mathematische Tiefpreissystem weist im Norden und Osten der Republik Handelssignale aus.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Ein Ende des hohen Preisniveaus ist nicht in Sicht. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, sollte sich für den Kauf einer Teilmenge entscheiden, um im Verlauf des kommenden Jahres hoffentlich deutlich günstiger ordern zu können.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Quelle: esyoil