Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Kurz über der 70-Dollar-Marke endete gestern der wochenlange Fall der Rohölpreise. Am heutigen Vormittag kostet Rohöl der Sorte Brent knapp 72 Dollar je Barrel.

Ein klarer Auslöser für die Stabilisierung ist nicht erkennbar. Eventuell ist es das lange Wochenende in den USA (Independence Day). Einige Wetten auf fallende Ölpreise wurden vielleicht aufgelöst. Die Preise könnten dann ihren Sinkflug in der nächsten Woche wieder aufnehmen.

Andererseits ist klar, dass die Preise nicht ins Bodenlose fallen werden. Die Marke von 70 Dollar ist eine psychologische Hürde, da die Ölpreise vor dem Ausbruch des Irankriegs auf diesem Niveau lagen. Bei noch niedrigeren Preisen dreht sich die Beweislast um. Dann wird nicht mehr gezählt, wieviel Öl wieder in den Markt kommt, sondern welche Probleme im Vergleich zur Vorkriegszeit noch nicht gelöst sind.

Und davon gibt es genug. Die Verhandlungen zwischen Teheran und Washington laufen zwar weiter, aber ein Durchbruch ist nicht in Sicht. Die überraschend schnelle und vollständige Aufhebung der US-Sanktionen gibt dem Iran neuen finanziellen und damit auch geopolitischen Spielraum.

Kaum jemand glaubt daher, dass sich die Lage in der Straße von Hormus wieder normalisieren wird oder dass die direkten oder indirekten Angriffe auf Israel enden werden. Viele Reeder erwarten sogar, dass es dem Iran gelingen wird, eine Art von Wegezoll durchzusetzen.

Auf der Positivseite steht der unerwartet schnelle Start der Ölexporte aus der Krisenregion. Saudi-Arabien erreicht nach eigenen Angaben bereits 90 Prozent der Vorkriegswerte. Auch in Kuwait sollen 75 Prozent des Öls wieder fließen. Iranisches Öl findet zwar in China die üblichen Abnehmer, aber andere Länder zögern noch. Die juristische Lage ist komplex. Zahlreiche Tanker mit iranischem Öl sind zwar bereits in Südostasien, aber sie suchen noch nach Kunden.

Die Analysten der Investmentbanken senken jetzt reihenweise ihre Preisprognosen auf 80 Dollar oder sogar noch weit darunter. Allerdings sind das dieselben Analysten, die vor kurzem noch Preise weit über 100 Dollar vorhergesagt haben.

Der Preisrutsch nutzt den Endverbrauchern allerdings wenig. Die extrem hohen Gewinnmargen der Raffinerien auf beiden Seiten des Atlantiks sorgen dafür, dass Benzin, Diesel und Heizöl teuer bleiben. In den USA liegen die Margen nur noch knapp unter dem Rekordniveau vom Sommer 2022. In Europa ist die Lage ähnlich.

Die Ölbörsen bleiben am letzten Handelstag der Woche entspannt. Die Preisausschläge sind gering. Brent-Rohöl kostet aktuell 71,84 US-Dollar je Barrel . Die US-Rohölsorte WTI steht bei 68,62 US-Dollar je Barrel . Rotterdamer Gasoil wird zu 933,25 Dollar je Tonne gehandelt Der US-Dollar ist 0,8730 Euro wert Der Euro steht bei 1,1453 Dollar .

Nationaler Markt

Heizöl ist im Vergleich zu gestern billiger geworden. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen landesweiten Durchschnittspreis von knapp 114 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Das ist ein Euro weniger als gestern.

Der Trend im internationalen Rohölmarkt wird erneut ignoriert. Ausschlaggebend ist das Preisniveau im Gasoilmarkt, also dem Vorprodukt der Raffinerien für Heizöl und Diesel. Dort sind die Preise leicht gefallen.

Die Versorgungslage ist entspannt. Die Preisunterschiede zwischen den Regionen sind moderat. Die Verbraucherinnen und Verbraucher halten sich trotzdem zurück. Die Zahl der Bestellungen verharrt auf einem niedrigen Niveau. Auch das mathematische Tiefpreis-System bleibt stumm und gibt keine Kaufempfehlung ab.

Die Erwartungen sind gemischt. Die täglich ermittelte Lesereinschätzung zeigt einen nur noch durchschnittlichen Preisoptimismus. Knapp 70 Prozent der Stimmen erwarten, dass die Heizölpreise demnächst nachgeben.

Fazit: Rohöl kostet wieder so viel wie vor dem Irankrieg. Heizöl ist immer noch 25 Prozent teurer. Wer noch große Vorräte im Heizöltank hat, kann auf eine Normalisierung der Ölmärkte im Herbst oder Winter spekulieren. Alle anderen müssen sich in den nächsten Wochen fragen, welche Preisrisiken sie eingehen wollen.

Quelle: esyoil