Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Die Ölpreise bewegen sich abwärts. Das ist die gute Meldung. Die schlechte Nachricht lautet: Es betrifft im Wesentlichen nur Rohöl. Gasöl, das Vorprodukt für Heizöl und Diesel, geht den Abgang nicht mit. In Zahlen ausgedrückt ist Rohöl Brent seit Handelsschluss der letzten Woche zehn Prozent günstiger geworden. Gasöl verlor dagegen nur ein Prozent an Wert. Allerdings betrug der Abgang gestern Früh schon einmal fünf Prozent. Zurückzuführen ist diese Inkohärenz auf fehlende Raffineriekapazitäten im Nahen Osten und in Russland. Im Krieg sind diese Anlagen ergiebigere Ziele als Pumpen zur Rohölförderung.

In den Nachrichten wird das Problem kaum gewürdigt. Man konzentriert sich eher auf die täglichen Befindlichkeiten zwischen USA und Iran sowie die Lage auf den Wasserstraßen östlich und westlich der Arabischen Halbinsel. Die Straße von Hormus ist derzeit zwar passierbar, wird aber angesichts von Sicherheits- und Versicherungsrisiken nur eingeschränkt genutzt. Die Straße von Bab al-Mandab, sie ist die wichtigste Ausweichroute für saudisches Öl, ist inzwischen ebenfalls mit erheblichen Risiken verbunden. Die Ausweichroute der Ausweichroute führt um das Kap der Guten Hoffnung. Ihre Nutzung verlängert die Passagen um 10 bis 15 Tage. Die Konsequenzen sind geringere Flottenverfügbarkeit, höhere Treibstoffkosten und final erheblich höhere Frachtraten.

Nach Ansicht von US-Präsident Trump stünden die USA und der Iran derweil in Gesprächen über eine diplomatische Lösung des Konflikts. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die USA ihre Militärschläge wieder aufnehmen könnten, falls keine Einigung erzielt wird. Der Iran widersprach Trumps Darstellung in üblicher Weise. Derzeit würden keine formellen Verhandlungen stattfinden, sondern allenfalls Botschaften über Vermittler ausgetauscht. Er betont erneut, die Kontrolle über die Straße von Hormus uneingeschränkt auszuüben. Gleichzeitig gibt es Hinweise für weitere iranische Drohnenangriffe, die Zweifel an einer dauerhaften Entspannung aufkommen lassen.

Auf der geografisch anderen Seite hat die Huthi-Miliz nach eigenen Angaben mehrere Angriffe auf die saudische Ölinfrastruktur durchgeführt, darunter offenbar auch auf die Ost-West-Pipeline zum Hafen Yanbu. Dort sei der Export bereits um 25 Prozent eingebrochen. Der Weg durch die Pipeline führt das Öl über Yanbu zur Straße von Bab al-Mandab. Riad erklärte darüber hinaus, mehrere aus dem Irak gestartete Drohnen abgefangen zu haben, die die Ölanlagen und die Hauptstadt zum Ziel hatten. Man behalte sich vor, auf die Angriffe zu gegebener Zeit reagieren.

Die seit drei Tagen andauernde Feuerpause zwischen USA und Iran weckt zwar die Hoffnung auf einen Waffenstillstand. In der Region herrscht aber alles andere als eine Feuerpause. Dass die Rohölpreise trotzdem nachgeben, ist auch der Wiederaufnahme des Betriebs am Exportterminal des Caspian Pipeline Consortium in Noworossijsk zu verdanken. Nach rund einer Woche Unterbrechung werden wieder Tanker beladen und kasachisches Rohöl über die Pipeline Tengis–Noworossijsk exportiert. Nach Angabe des Betreibers sollen die Anlagen wieder im Normalbetrieb laufen.

An den Börsen wird die gestern aufgenommene Bewegungsrichtung der Ölnotierungen fortgesetzt. Das heißt, Rohöl gibt nach und Gasöl legt moderat zu. Die Lage wirkt alles andere als stabil.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 80,44 Dollar und das Barrel Brent zu 85,54 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.212,00 Dollar . Der US-Dollar kostet aktuell 0,8791 Euro Damit kostet der Euro 1,1371 Dollar.

Nationaler Markt

Die Heizölpreise bewegen sich nach kurzem Rückgang nicht mehr, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie schneiden damit etwas besser ab als die internationalen Vorgaben. Angesichts der geopolitischen Umstände sollte die Angelegenheit im Rahmen der gültigen Trends und nicht als beginnender Trendwechsel verstanden werden. Beim Trend dominieren Aufwärtskanäle eindeutig die kaufrelevanten Zeitbereiche.

Ein weiterer Grund für die hohen Heizölpreise ist die Lage auf den deutschen Wasserstraßen. Viele von ihnen leiden an Niedrigwasser. Das führt zu hohen Frachtkosten. Auf dem Rhein sind sie seit Monatsbeginn zwischen 105 und 120 Prozent für Passagen in westdeutsche Häfen und zwischen 175 und 200 Prozent für Passagen in südwestdeutsche Häfen gestiegen.

Im Binnenmarkt ist das Kundeninteresse an Heizöl außerordentlich gering. Die Hoffnung auf bessere Preise schießt indes ins Kraut. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf niedrigem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem starken Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Vom Ende des erhöhten Preisniveaus kann man derzeit nur träumen. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, sollte sich für den Kauf einer Teilmenge entscheiden und dann entspannt auf deutlich tiefere Preise warten.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Quelle: esyoil