Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Der Rohölpreis fällt und fällt. Aktuell kostet Brent-Rohöl nur noch 73 Dollar je Barrel. Damit liegt der Ölpreis wieder auf dem Vorkriegsniveau der zweiten Februarhälfte.

Die meisten Trader und Marktexperten sind verblüfft. Der Preissturz der letzten Wochen war steiler als erwartet. Offenbar fahren die Ölbörsen und Ölmärkte nach den vielen chaotischen Wochen seit Anfang März jetzt nur noch auf Sicht. Immer mehr Tanker passieren die Meeresenge von Hormus, also steigt das Angebot und der Preis fällt.

Vor allem der Iran profitiert von der aktuellen Lage. Die USA haben die jahrelangen Ölsanktionen aufgehoben. Damit ist Teheran nicht mehr einseitig von China abhängig, das von hohen Rabatten profitiert hatte. Auch ein Teil der eingefrorenen Vermögenswerte soll bald freigegeben werden. Das Regime nutzt die Gunst der Stunde und füllt seine Kassen wieder auf. Am Ende der 60-tägigen Verhandlungen, vermutlich ohne greifbare Ergebnisse, werden die Karten dann neu gemischt, so wohl das Kalkül in Teheran.

Auch US-Präsident Trump gibt sich zufrieden, obwohl der Konflikt mit einer krachenden Niederlage für die USA endete. Er kann sich nun wieder Themen zuwenden, die in stärker beschäftigen, also die Wasserfarbe des Pools vor dem Lincoln Memorial oder dem Bau des Ballsaals neben dem Weißen Haus.

Die Probleme sind jedoch noch nicht gelöst. In wenigen Wochen wird der Tankerstau aufgelöst sein. Die Ölproduzenten im Persischen Golf blicken bereits mit Sorgenfalten auf die Monate danach. Riskieren die Tankerflotten die Rückkehr in den Persischen Golf, um die nächste Ladung Öl abzuholen?

Kaum jemand rechnet mit einem Durchbruch bei den Verhandlungen zwischen Washington und Teheran. Entweder schaukelt sich der Konflikt wieder hoch, oder die USA ziehen sich noch weiter zurück und geben dem aggressiven iranischen Regime freie Hand, seine Terrormilizen in der Region wieder aufzubauen und die Kontrolle über die Straße von Hormus erneut zu übernehmen.

Die Zeiten könnten also unruhig bleiben. Die Regierungen und die Ölbranche selbst werden daher versuchen, ihre mittlerweile stark geschrumpften Öllager rasch wieder aufzufüllen. Der Lageraufbau trifft dann auf eine saisonal hohe Nachfrage nach Benzin und Kerosin in den Sommermonaten.

Im Moment schrumpfen die Lager aber noch. Der Wochenbericht zum amerikanischen Ölmarkt zeigt erneut einen starken Abbau bei den Rohölbeständen. Die staatliche Rohölreserve schrumpfte um 9,1 Mio. Barrel, die gewerblichen Unternehmen gaben netto weitere 6,1 Mio. Barrel Rohöl in den Markt.

Immerhin legten die Produktlager für Diesel und Benzin zu. Vor allem der Aufbau bei Benzin entlastet den Markt. Die Margen der Raffinerien bei der Herstellung von Benzin sind in den USA und Europa auf einem Mehrjahreshoch.

Hier die Zahlen des US-Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderungen der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche:

∙ Rohöl: -6,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,8 Mio. Barrel (API)
∙ Heizöl und Diesel: +3,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,4 Mio. Barrel (API)
∙ Benzin: +2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,2 Mio. Barrel (API)
∙ SPR-Rohöl (Staatliche Ölreserven der USA): -9,1 Mio. Barrel (DOE)

Die Ölbörsen bleiben entspannt. Brent-Rohöl kostet zum Handelsstart in Europa 72,92 US-Dollar je Barrel. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 69,86 US-Dollar je Barrel. Rotterdamer Gasoil wird zu 886,75 Dollar je Tonne gehandelt. Der US-Dollar ist 0,8808 Euro wert. Der Euro steht bei 1,1350 Dollar.

Nationaler Markt

Trotz der steil fallenden Rohölpreise bleiben die Heizölpreise seit einer Woche stabil. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen nahezu unveränderten landesweiten Durchschnittspreis von 109 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter).

Das liegt zum einen am schwachen Euro, zum anderen an den Preisen für Gasoil, dem Vorprodukt der Raffinerien für Diesel und Heizöl. Dort legen die Margen jetzt wieder zu.

An der Nachfrage liegt es nicht. Die Kaufbereitschaft bleibt gering. Die Verbraucherinnen und Verbraucher halten sich den vierten Monat in Folge zurück.

Das mathematische Tiefpreis-System, das Preistrends auswertet, rät nach wie vor zum Kauf. Aber die tägliche Lesereinschätzung zeigt einen unverändert stark ausgeprägten Optimismus. Sechs von sieben Stimmen erwarten, dass die Heizölpreise fallen werden.

Der Preistrend der letzten Wochen hat diese Erwartung bestätigt. Rohöl ist immer billiger geworden. Aber die politischen und logistischen Probleme im Ölmarkt sind noch immer groß. Es lohnt sich also, am Ball zu bleiben, um nicht vor einer plötzlichen Preiswende nach oben überrascht zu werden.

Dabei gilt nach wie vor: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbraucht wird. Reduzieren Sie Ihren Heizölbedarf und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung. Die Verbraucherzentralen halten Tipps und Empfehlungen bereit.

Quelle: esyoil