Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Die Ölbörsen erlebten gestern ein Wechselbad. Brent-Rohöl stieg zeitweise um fünf Prozent und ging mit 106,60 Dollar je Barrel aus dem Handel. Zum Handelsstart liegt die Nordseesorte heute am Morgen nicht weit darunter.

Auslöser des Preissprungs war ein neuer Angriff der Huthi-Miliz auf Saudi-Arabien. Die saudische Luftabwehr fing nach eigenen Angaben mehrere Raketen ab, die auf die Hafenstadt Yanbu und auf Taif zielten. Yanbu ist der wichtigste saudische Exporthafen am Roten Meer und seit der Sperrung der Straße von Hormus die zentrale Ausweichroute für saudisches Rohöl.

Am Abend drehte die Stimmung dann wieder. Nach Berichten aus New York sprachen amerikanische und iranische Unterhändler am Rande der UN-Generalversammlung über ein neues Abkommen: Teheran soll die Straße von Hormus wieder öffnen, während Washington im Gegenzug die Seeblockade gegen iranische Häfen aufhebt.

Die meisten Ölhändler bleiben trotzdem vorsichtig. Eine ähnliche Absichtserklärung im Juni führte zwar zu einer Waffenruhe, aber die hielt nur wenige Wochen.

Die Ölversorgung bleibt unverändert angespannt. Die saudische Ost-West-Pipeline läuft seit Dienstag wieder, doch in Yanbu werden noch keine Tanker beladen. Es könnte sechs Wochen dauern, bis die Exporte dort wieder auf dem alten Niveau laufen, so Experten. Gleichzeitig stauen sich die Tanker vor der Küste Omans, wo Rohöl aus dem Golf von Schiff zu Schiff umgeladen wird.

Auch im Dieselmarkt bleibt es unruhig. Das Weiße Haus hatte ein Exportverbot für Diesel zwar dementiert, doch die Gerüchte brodeln weiter. US-Energieminister Wright wirbt im Moment bei den großen Raffineriebetreibern für eine freiwillige Beschränkung der Exporte.

Konkrete Maßnahmen sind allerdings nicht in Sicht. Die europäischen Diesel-/Gasoil-Trader atmen daher erst einmal auf. Auf dieser Seite des Atlantiks gaben die Preise für Gasoil und Diesel im Großhandel deutlich nach.

Die Rohölpreise in Europa bleiben derweil hoch. Brent-Rohöl kostet aktuell 105,73 US-Dollar je Barrel . Die US-Rohölsorte WTI steht bei 93,10 US-Dollar je Barrel . ICE-Gasoil wird zu 1.439,00 Dollar je Tonne gehandelt . Der US-Dollar ist 0,8782 Euro wert . Der Euro notiert bei 1,1381 Dollar.

Nationaler Markt

Der Preisrutsch bei Gasoil, dem Vorprodukt der Raffinerien für Diesel und Heizöl, zieht auch die Heizölpreise mit nach unten. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen landesweiten Durchschnittspreis von knapp 169 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Das sind drei Euro weniger als gestern um diese Uhrzeit.

Im Westen des Landes bremsen Logistikprobleme stärkere Preisnachlässe. Der Pegel des Rheins bei Kaub fiel gestern auf nur noch vier Zentimeter, den niedrigsten Stand seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen im Jahr 1880. Die Tankschiffe können die etwas tiefere Fahrrinne noch nutzen, aber nur mit geringer Beladung. Die Frachtkosten für Diesel von Rotterdam nach Karlsruhe haben sich in diesem Monat mehr als verdoppelt. Erst Anfang Oktober könnte es wieder nennenswerte Niederschläge geben.

Der Heizölmarkt bleibt lebendig. Die Zahl der Bestellungen ist hoch. Auch die Kaufbereitschaft, also das Verhältnis zwischen Preisanfragen und Bestellungen, liegt jetzt wieder über dem Durchschnitt.

Offenbar macht sich etwas Nervosität unter den Verbraucherinnen und Verbrauchern breit. Die Stimmung trübt sich ein. In der täglichen Lesereinschätzung rechnen nur noch 55 Prozent der Stimmen mit fallenden Preisen, deutlich weniger als gestern.

Auch der Ölmarkt wirkt im Moment pessimistisch. Die Preise schwanken, aber sie geben nicht spürbar nach. Die Hormus-Blockade, Angriffe im Roten Meer, die weltweite Dieselknappheit und Niedrigwasser im Rhein könnten die Versorgung des deutschen Heizölmarkts noch für längere Zeit beeinträchtigen. Die Temperaturen fallen bereits. Eine extrem teure Heizsaison beginnt. Aber immerhin gibt es ja bald einen Tankrabatt und damit staatlich subventionierte Standheizungen…

Quelle: esyoil