
Internationaler Markt
Neue Spannungen am Persischen Golf stabilisierten gestern die Rohölpreise. Brent-Rohöl kletterte zunächst auf 75 Dollar je Barrel. Aber der Kurswechsel hielt nicht lange an. Kurz nach Handelsstart kostet Rohöl am heutigen Morgen nur noch 73,5 Dollar je Barrel.
Der längerfristige Preistrend bleibt damit auch in dieser Woche intakt. Schon seit Ende April fallen die Ölpreise. Mittlerweile liegen sie nur noch minimal über dem Niveau vom Februar, also den Wochen vor dem Start der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran.
Doch die Region kommt nicht zur Ruhe. Gestern wurde ein Containerschiff südöstlich von Oman angegriffen, also nicht weit von der Straße von Hormus entfernt. Noch ist unklar, wer dafür verantwortlich ist. Die iranische Marine hat anscheinend mehrere Tanker vor der Passage durch die Meeresenge gewarnt. Auch hier sind die Umstände und die Relevanz der Meldung unklar. Die Tanker machten daraufhin kehrt.
Die Risiken lassen sich nur schwer einschätzen. Es gibt drei Routen, die durch die Straße von Hormus führen. Die mittlere Route könnte vermint sein. Wie stark und ob überhaupt ist unklar. Die südliche Route führt an der Küste Omans entlang, die nördliche Route bleibt in der Nähe der iranischen Küste.
Teheran bzw. seine „Persian Gulf Strait Authority“ will die Schiffe zwingen, die iranische Route zu nutzen. Ansonsten sei ihre Sicherheit nicht gewährleistet, so die unverhohlene Drohung. Während der Friedensverhandlungen mit den USA soll die Passage kostenlos bleiben, doch für die Zeit danach ist ein Wegezoll geplant. An die 40 Milliarden Dollar pro Jahr soll er einbringen, so der Iran. Das Regime lädt Oman und weitere Anrainerstaaten ein, sich an der „Verwaltung“ der Straße von Hormus zu beteiligen.
Trotz der Drohungen ist die Zahl der Tankerexporte aus dem Persischen Golf in dieser Woche stark gestiegen. Im Moment wird das Vorkriegsniveau zu etwa drei Vierteln erreicht, schätzen Marktexperten.
Doch viele Probleme bleiben ungelöst. Der Irak musste die Förderung in seinem größten Ölfeld schon wieder stoppen, da die Tanklager voll sind. Es gelingt im Moment nicht, eine ausreichende Zahl von Tankern zu organisieren, die in den Persischen Golf zurückkehren.
Unter dem Strich überwiegen aber die optimistischen Einschätzungen. Die Ölexporte aus der Region steigen, die Friedensverhandlungen gehen weiter, und China hält seine Ölimporte auf einem sehr niedrigen Niveau.
Der Druck auf die Ölpreise bleibt also unverändert groß. Brent-Rohöl kostet zum Handelsstart in Europa 73,55 US-Dollar je Barrel. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 70,27 US-Dollar je Barrel. Rotterdamer Gasoil wird zu 900,00 Dollar je Tonne gehandelt. Der US-Dollar ist 0,8789 Euro wert. Der Euro steht bei 1,1376 Dollar.
Nationaler Markt
Die Preise für Heizöl legen am Morgen leicht zu. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt einen landesweiten Durchschnittspreis von 110-111 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Insgesamt sind die Preise in dieser Woche jedoch recht stabil.
Die schwachen Rohölpreise kommen im Heizölmarkt nicht an. Das liegt vor allem an den jetzt wieder steigenden Margen der Raffinerien. Sie können höhere Preise für Gasoil, also das Vorprodukt für Diesel und Heizöl, am Markt durchsetzen.
Die Nachfrage nach Diesel ist hoch, da der Tankrabatt in wenigen Tagen ausläuft. Viele Käufe werden daher vorgezogen. Auch bestellen viele Händler im Westen mehr Diesel als üblich, da sie angesichts der fallenden Wasserstände im Rhein höhere Transportkosten befürchten. Ein dritter Faktor ist die Möglichkeit, dass Russland demnächst ein Exportverbot für Diesel verhängen könnte. Dort legen ukrainische Drohnenangriffe immer mehr Raffinerien lahm, so dass die Inlandsversorgung allmählich kritisch wird.
Diese Sonderfaktoren verhindern in dieser Woche einen Rückgang der Heizölpreise. Die Zahl der betroffenen Haushalte bleibt allerdings überschaubar, denn die Nachfrage ist gering. Die regionale Versorgung läuft daher ohne große Probleme. Die Preisdifferenzen zwischen den Regionen sind gering.
Das mathematische Tiefpreis-System, das Preistrends auswertet, hat sich auf eine neutrale Haltung zurückgezogen. Ähnlich abwartend zeigen sich die Verbraucherinnen und Verbraucher in der täglichen Lesereinschätzung. Die große Mehrheit setzt auf fallende Heizölpreise.
Das war bisher die richtige Strategie. Doch die Preise können nicht ewig fallen. Die Trendwende nach oben kann jederzeit stattfinden. Es lohnt sich daher in diesen Wochen, die Preisentwicklung zeitnah zu verfolgen.
Dabei gilt nach wie vor: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbraucht wird. Reduzieren Sie Ihren Heizölbedarf und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung. Die Verbraucherzentralen halten Tipps und Empfehlungen bereit.
Quelle: esyoil