
Internationaler Markt
Der als ein sehr kurzer prognostizierte Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran steht im dritten Monat. Sein Ende wurde in Washington so oft angekündigt, dass jede Wiederholung mittlerweile geflissentlich überhört wird. Vor zwei Wochen wurde eine entsprechende Botschaft noch als ölpreisrelevant aufgenommen. Sie schaffte es, den Ölnotierungen einen Abwärtstrend zu verpassen, der das Barrel Brent letzten Freitag einmal kurz unter die 90-Dollar-Marke drückte und die Tonne Gasöl, das ist das Vorprodukt für Heizöl und Diesel, an der 1.000-Dollar-Marke von oben schnuppern ließ. Damit ist Rohöl noch 32 Prozent teurer als vor dem Krieg. Gasöl ist 43 Prozent teurer. In der Spitze Anfang Mai betrug die Teuerung fast 60 Prozent für Rohöl und 86 Prozent für Gasöl.
Die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran stocken weiter. Die USA fordern Änderungen beim Umgang mit angereichertem Uran, während der Iran die Freigabe eingefrorener Gelder verlangt. Beide Seiten verhandeln zwar weiter, ein Abkommen ist aber noch nicht in Sicht. Es könnte sogar scheitern.
Israel hat seine Militäroffensive im Libanon trotz der vereinbarten Waffenruhe ausgeweitet und ist dabei erstmals seit Jahrzehnten weit in den Süden des Landes vorgestoßen. Die Angriffe stoßen international auf Kritik und könnten die laufenden Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran gefährden.
Unabhängig von den Geschehen im Nahen Osten setzt die Ukraine ihre Operationen gegen die russische Ölinfrastruktur fort. Scharen von Drohnen haben mehrere wichtige Ölraffinerien schwer getroffen. Einige Anlagen mussten den Betrieb ganz einstellen, andere ihre Produktion deutlich reduzieren. Betroffen ist inzwischen fast ein Viertel der russischen Raffineriekapazität. Die Treibstoffversorgung des Landes ist gefährdet und trieb den Kreml dazu, ein Exportverbot für Benzin zu veranlassen.
Während die einen versuchen, sehr konkrete Probleme in den Griff zu bekommen, arbeitet der bürokratische Apparat der EU an der Regulierung vager Sachverhalte. So will Ursula von der Leyen im September eine neue Arktispolitik vorstellen. Um schlimmste Exzesse abzuwenden, versucht Norwegen bereits jetzt, mögliche Verbote oder strenge Einschränkungen abzuschwächen, um die Energieversorgung Europas in einer Zeit knapper und unsicherer Märkte nicht zusätzlich zu belasten.
Das Land stellt sich gegen die von der EU geplanten strengeren Vorgaben für Öl- und Gasbohrungen in der Arktis. Brüssel begründet die geplanten Einschränkungen mit Klimaschutz und dem Schutz der besonders empfindlichen Arktisregion. Norwegen hält dagegen, dass die Förderung in der Arktis nicht klimaschädlicher sei als in anderen Fördergebieten und Europa weiterhin auf stabile Energieimporte angewiesen bleibe. Da ein großer Teil der norwegischen Öl- und Gasreserven in arktischen Gewässern liegt, könnten neue Auflagen die zukünftige Produktion erheblich beeinträchtigen.
Trotz des jüngsten Preisrückgangs haben Analysten ihre Ölpreisprognosen für 2026 gemäß einer Reuters-Umfrage erneut angehoben. Sie begründen das weiterhin mit den massiven Ausfällen bei den Ölexporten aus dem Nahen Osten. Statt des am Jahresbeginn prognostizierten Überangebots droht nun ein erhebliches Angebotsdefizit. Zwar wird ab Juli mit steigender Förderung der OPEC-Plus und anderer Produzenten gerechnet. Diese könnte die durch den Iran-Konflikt entstandenen Engpässe jedoch nur teilweise ausgleichen.
An den Ölbörsen folgt man heute Morgen den von Reuters eingefangenen Analysten-Stimmen. Die Rohöl- und Gasölnotierungen starteten bereits oberhalb der Freitagshochs in die neue Handelswoche und zogen bis zur Stunde weiter Richtung Norden.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 94,42 Dollar und das Barrel Brent zu 99,87 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.058,00 Dollar . Der US-Dollar kostet aktuell 0,8575 Euro . Damit kostet der Euro 1,1659 Dollar .
Nationaler Markt
Die Heizölpreise legen heute Morgen ein wenig zu, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Das entspricht in der Richtung den internationalen Vorgaben. In der Höhe fällt die Bewegung aber geringer aus. Im Vergleich zum Vorprodukt Gasöl ist der Heizölpreis gut, denn er ist im Schnitt nur 23 Prozent teurer als vor dem Konflikt an der Straße von Hormus. In der Spitze war er 61 Prozent teurer. Der Heizölhandel bietet die Ware aufgrund der dürftigen Nachfrage zu Preise an, die die Kosten oft nicht decken. Das zeugt von einer intakten Marktfunktion.
Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt ist schwer gebremst. Dafür gibt man in puncto Hoffnung auf tiefere Preise richtig Gas. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen knapp auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem sehr starken Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Das mathematische Tiefpreissystem weist in allen Regionen der Republik Handelssignale aus.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Man wird sich leider für längere Zeit an das erhöhte Preisniveau gewöhnen müssen. Deshalb sei daran erinnert, dass die Bestellung einer Teilmenge, immer eine Option zum Volltanken ist.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Quelle: esyoil