
Internationaler Markt
Der Iran-Konflikt ist und bleibt der Taktgeber am Ölmarkt. Auch wenn die Trader des steten Hoffens und Bangens müde sind, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als die Risiken immer wieder neu abzuwägen. Zwar löst längst nicht mehr jede Schlagzeile eine starke Reaktion aus, gleichwohl können die Nachrichten vom Persischen Golf die Preise noch immer binnen Stunden deutlich steigen oder fallen lassen.
Aktuell prüft das Weiße Haus einen Verhandlungsvorschlag aus Teheran. US-Präsident Trump stellt einmal mehr ein baldiges Ende des Krieges in Aussicht und droht zugleich vage mit Militärschlägen, falls Iran sich nicht genug bewegen sollte. Das kommt einem bekannt vor. Wahrscheinlicher als eine Friedenslösung oder Eskalation ist aktuell jedoch ein Verharren. Die Vorstellungen der USA und des Irans liegen weit auseinander und nach wie vor scheint sich keine Seite, merklich auf die andere zuzubewegen.
Das macht die Situation für den internationalen Markt nicht weniger riskant. Im Gegenteil: Je länger die Straße von Hormus faktisch gesperrt bleibt, desto größer werden der wirtschaftliche Schaden und die Gefahr weiter steigender Ölpreise. Noch wird aus Lagerreserven geschöpft, doch auch dieser Vorrat ist endlich. Analysten sehen das preistreibende Risiko am Markt derzeit unterschätzt.
In der Meerenge sind kaum Tanker unterwegs. Die iranischen Öltransporte fallen durch die US-Seeblockade weitestgehend aus. Der Iran, der seinerseits Durchfahrten verhindert, soll zuletzt zwar einzelnen Schiffen das Passieren gestattet haben, doch nennenswerte Ausfuhren aus dem Persischen Golf dürften dabei nicht zusammenkommen. Immer mehr iranisches Öl wird zudem auf Tankern eingelagert, das zeigen Zahlen von Schiffstrackingdiensten. Laut Non-Profit-Organisation United Against Nuclear Iran (UANI) sollen sich rund 42 Millionen Barrel Öl in schwimmenden Lagern befinden. Seit Beginn der US-Blockade am 13. April soll in den Häfen die Zahl der mit iranischem Öl beladenen Tanker von 29 auf 49 gestiegen sein.
Eine knappe Versorgungslage meldete vergangene Nacht auch der Branchenverband API aus den USA. Die Schätzungen zu den wöchentlichen Bestandsveränderungen zeigen deutliche Rückgänge bei den US-Lagerbeständen von Rohöl, Destillaten und Benzin, die teils weit über den Erwartungen liegen. Heute Nachmittag erscheinen die offiziellen Daten des US-Energieministeriums dazu.
Am Ölmarkt hat sich zwar eine gewisse Krisenmüdigkeit breitgemacht – ausgelöst durch das ständige Hin und Her und das permanente Warten auf neue Meldungen. Entwarnung bedeutet das allerdings keineswegs.
Heute Morgen testen die Notierungen dennoch vorerst ihr Abwärtspotenzial. Das Barrel der US-Rohölsorte WTI (West Texas Intermediate) steht aktuell bei 102,40 Dollar . Brent kostet 109,26 US-Dollar das Barrel . Eine Tonne Gasöl wird zu 1191,00 Dollar gehandelt . Der US-Dollar kostet heute Morgen 0,8624 Euro . Damit ist der Euro für 1,1591 Dollar zu haben.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise geben zum Auftakt in die Wochenmitte leicht nach und folgen damit den Notierungen am internationalen Ölmarkt. Der bundesweite Durchschnittspreis liegt heute Morgen in der aktuellen Heizölpreis-Tendenz bei 127,40 Euro je 100 Liter (Standardlieferung 3.000 Liter).
Deutlich spürbare Entlastung könnte wohl allein eine Öffnung der Straße von Hormus bringen. Danach sieht es derzeit jedoch nicht aus, zu festgefahren sind die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran.
Heizölkunden agieren angesichts des weiterhin hohen Preisniveaus zurückhaltend. Wer über ausreichend Reserven im Tank verfügt, versucht die Situation auszusitzen und hofft auf bessere Zeiten im Herbst. Offen ist indes, ob das gelingen kann. Denn je länger der Iran-Konflikt anhält, desto trüber werden die Aussichten.
Nur eine knappe Mehrheit der Befragten rechnet in der tagesaktuellen Lesereinschätzung mit einem zeitnahen Preisrückgang.
Orientierungshilfe für alle Unentschlossenen: Wer aktuell Heizöl braucht, kann sich vor allem gegen weitere Aufschläge absichern oder auf kleinere Rückgänge spekulieren. Auch das Bestellen einer Teilmenge bleibt eine Alternative.
Darüber hinaus gilt mehr denn je: Zukunftsfähig werden wir nur, wenn wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln.
Quelle: esyoil