
Internationaler Markt
Der Preisrückgang, den die geopolitische Entwicklung in der letzten Woche angestoßen hat, kann sich sehen lassen. Sein Tief hat das Apriltief unterboten. In diesem Umstand kommt die bisher größte Hoffnung auf ein Ende des blutigen Konflikts im Nahen Osten seit Ausbruch des Iran-Kriegs zum Ausdruck. Wo Hoffnung ist, gibt es aber auch Skepsis. Sie wird nahe zu täglich durch militärische Scharmützel oder verbale Entgleisungen bedient. Frieden ist auf dieser Basis kaum vorstellbar. Auch das weisen die Ölpreise weiterhin aus. Rohöl ist noch zehn Prozent von seinen Vorkriegspreisen entfernt. Gasöl, das Vorprodukt für Heizöl und Diesel, muss sogar 20 Prozent fallen, um an das Vorkriegsniveau anzuschließen.
Bewertet wurde in der letzten Woche eine Absichtserklärung. Nun geht es um den Friedensprozess am Persischen Golf. Die anhaltenden Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah verhinderten nicht nur den angekündigten Start der Verhandlungen, sie führten auch zur erneuten Sperrung der Straße von Hormus. Das bestreiten die USA allerdings. Gleichzeitig verschärfte Donald Trump den Ton und drohte dem Iran mit harten Konsequenzen. Die angespannte Lage zeigte sich letzten Freitag in steigenden Ölpreisen.
Am Sonntag haben die Gespräche zwischen den USA und dem Iran in der Schweiz schließlich doch begonnen und sollen überraschend positiv verlaufen sein. Laut den Vermittlern Katar und Pakistan wurde ein Fahrplan für ein Friedensabkommen vereinbart. Arbeitsgruppen sollen nun offene Streitpunkte wie das iranische Atomprogramm und die Sanktionen bearbeiten. Ziel ist ein endgültiges Abkommen innerhalb von 60 Tagen. Zudem soll ein gemeinsamer Konfliktlösungsstab mit dem Libanon eingerichtet werden, um die Kämpfe zu beenden und Zwischenfälle in der Straße von Hormus zu vermeiden. Die Ölpreise honorieren das heute Morgen mit einer weitgehenden Rücknahme des Freitagsanstiegs.
Am Ölmarkt richtet sich die Aufmerksamkeit zwar auf die Wiederaufnahme der Exporte aus der Golfregion, aber diverse Länder zeigen sich zurückhaltend hinsichtlich zukünftiger Lieferungen von dort. Diese Konsequenz der Käufer kommt ebenso erwartet wie Bemühungen der Anbieter am Persischen Golf um Transportalternativen, die die Straße von Hormus umgehen.
Indische Staatsraffinerien haben ihren Bedarf für die nächsten zwei Monate bereits gedeckt und sehen wegen anhaltender Sicherheitsrisiken derzeit keinen Grund, verstärkt Öl aus dem Nahen Osten zu kaufen. Stattdessen bleiben Lieferungen aus Russland attraktiv, da sie oft günstiger sind und inklusive Transport angeboten werden. Aufgrund steigender Frachtraten und anhaltender Unsicherheiten könnten russische Öllieferungen für Indien wirtschaftlich sogar noch interessanter werden. Die Philippinen wollen ihre Energieversorgung ebenfalls unabhängiger machen und planen auch langfristige Öllieferverträge mit Russland. Heute bezieht das Land sein Öl größtenteils aus dem Nahen Osten.
Der Irak und Syrien wollen beim Export von irakischem Öl über das Mittelmeer zusammenarbeiten. Bis langfristige Lösungen umgesetzt sind, sollen ab Juli Tanklastwagen täglich Öl zum syrischen Hafen Baniyas transportieren. Hintergrund ist auch hier die Erkenntnis, dass die starke Abhängigkeit von der Straße von Hormus ein erhebliches Risiko darstellt. Trotz der Wiederöffnung dieser Route setzt der Irak daher auf eine Diversifizierung seiner Exportwege. Die Transporte per Lkw sind aufwendig, unsicher und an Volumen vergleichsweise gering. Langfristig könnte die seit Jahren stillgelegte Kirkuk-Baniyas-Pipeline eine deutlich leistungsfähigere Alternative werden. Konkrete Pläne für ihre Wiederinbetriebnahme gibt es bislang aber nicht.
An den Börsen ist der Preisrückgang mittlerweile ins Stocken gekommen. Rohöl und Gasöl legen zur Stunde ein wenig zu. Angesichts der geopolitischen Unsicherheit wäre eine Seitwärtsbewegung gegenwärtig angemessen.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 77,00 Dollar und das Barrel Brent zu 79,55 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 898,50 Dollar. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8730 Euro. Damit kostet der Euro 1,1451 Dollar.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise steigen moderat, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Die Bewegung liegt im Rahmen der internationalen Vorgaben. Der Preisrückgang hat sich in den letzten Wochen durchaus erfreulich entwickelt. Er ist aber lange noch nicht dort, wo er sein sollte. Dazu bedürfte es des störungsfreien Betriebs auf den Weltmeeren. Aktuell spricht die Nah-Ost-Politik eher für eine Seitwärts- als für eine Abwärtsbewegung der Heizölpreise.
Im Binnenmarkt sind die Kunden wieder kaufbereiter. Die Hoffnung auf tiefere Preise lebt fort, aber sie explodiert nicht. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem ordentlichen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Das mathematische Tiefpreissystem weist in vielen Regionen der Republik Handelssignale aus.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Ein Ende des erhöhten Niveaus hat Kontur angenommen. Die Preise sind wieder erträglich. Längerfristig sollten allerdings unter einen Euro pro Liter fallen.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Quelle: esyoil