
Internationaler Markt
Dem Paukenschlag einer Wiedereröffnung der Straße von Hormus folgte wenige Stunden später die erneute Schließung der Meerenge. Während der erste Akt an den Börsen mit euphorisch fallenden Ölnotierungen gefeiert wurde, fiel der zweite Akt ins Börsenwochenende. Man konnte dem Ereignis keinen Preis mehr geben. Das ist seit Mitternacht wieder möglich. Die erste Feststellung zur neuen Lage, die de facto die alte Lage ist, bestätigt die für solche Ereignisse geprägte Formel, wie gewonnen, so zerronnen. Die Ölnotierung befinden sich dort, wo sie direkt vor dem Paukenschlag waren.
Der Iran begründet die erneute Schließung der Wasserstraße mit der fortgesetzten Seeblockade ihrer Häfen durch die USA. Während der zwanzigstündigen Öffnung konnten einige Tanker die Meerenge passieren. Die Mehrheit der wartenden Schiffe musste allerdings wieder umkehren. Vor Ort herrschte Chaos, da weiterhin hunderte Schiffe auf die Durchfahrt warten. Gleichzeitig kam es zu iranischen Angriffen auf Tanker. US-Streitkräfte haben im Golf von Oman einen iranischen Frachter angegriffen und unter ihre Kontrolle gebracht, nachdem dieser offenbar die Seeblockade durchbrechen wollte.
Der Iran verurteilte den Vorfall scharf als Bruch der Waffenruhe und drohte mit Vergeltung. Die ohnehin angespannten Beziehungen verschlechtern sich weiter, wodurch die geplanten Gespräche zwischen beiden Seiten zunehmend unwahrscheinlich werden. Ursprünglich sollten sie heute in Pakistan stattfinden. Während US-Vertreter nach Islamabad reisen wollen, signalisiert Iran kein Interesse an einer Teilnahme.
Am Freitag rechnete Trump noch mit einem baldigen Abkommen. Eine Verlängerung der kommenden Mittwoch endenden Waffenruhe hielt er für unnötig, schloss sie aber im Notfall nicht aus. Nach seiner Meinung könnte sich der Iran zu einem langfristigen Verzicht auf Atomwaffen sowie zur Übergabe von angereichertem Uran bereit erklären. Offiziell bestätigt wurde das allerdings nicht.
Heute ist die Lage eine vollkommen andere. Zentrale Streitpunkte wie das Atomprogramm und regionale Militärkonflikte bleiben ungelöst. Die Sicherheitslage in der Region ist wieder explosiv. Mit einer Besserung ist absehbar nicht zu rechnen. Der Konflikt um die Straße von Hormus verschärft die globale Energiekrise zunehmend. Ölpreise sind mittlerweile deutlich mehr vom realen Angebot als von hypothetischen Börsenphantasien geprägt. Mit einem Halbsatz liegt Donald Trump sicher vollkommen richtig: «Öffnet die verdammte Straße …“. Der zweite, nicht wiedergegebene Teil des Zitats ist Klitterung, die von seiner eigenen Verantwortung ablenkt.
Fatih Birol, der Chef der Internationalen Energie Agentur (IEA), weist darauf hin, dass die Energieproduktion im Persischen Golf bei Öffnung der Meerenge erst in etwa zwei Jahren wieder das Vorkriegsniveau erreichen dürfte. Dabei wird es große Unterschiede zwischen den Anrainerländern geben. Eine längere Sperrung der Straße von Hormus würde die Versorgungslage zunehmend verschärfen und die Ölpreise deutlich steigen lassen. Da Lieferengpässe heute bereits sichtbar werden, erwägt die IEA weitere Freigaben aus den strategischen Ölreserven. Die erste Freigabe im März war bereits die größte in der Geschichte der Organisation.
An den Börsen dümpeln die Ölnotierungen zur Stunde seitwärts auf dem Niveau der Kurse direkt vor dem Paukenschlag letzten Freitag. Man darf mit Spannung die Teilnahme der US-Broker am Nachmittag erwarten. Sie könnten dem aktuellen Bild eine andere Note verpassen.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 89,84 Dollar und das Barrel Brent zu 95,81 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.094,50 Dollar. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8501 Euro. Damit kostet der Euro 1,1761 Dollar.
Nationaler Markt
Nach einem ordentlichen Rückgang in der letzten Woche drehen die Heizölpreise aufwärts, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Die Bewegung liegt im Rahmen der natürlichen Volatilität. Sie ist nicht zwingend als Zeichen für die kommende Entwicklung zu verstehen, wenngleich diese heute Morgen mit einer hohen Erwartung negativer Umstände verknüpft ist.
Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt zieht etwas an. Die Hoffnung auf tiefere Preise ist indes vom Paukenschlag letzten Freitag geprägt, vermutlich eine Eintagsfliege. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem für die Umstände phänomenalen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser mathematisches Tiefpreissystem weist in allen Regionen der Republik Handelssignale aus. Es reagiert damit auf die extreme Volatilität im Markt. Darin eine Kaufempfehlung im klassischen Sinn zu erkennen, fällt allerdings nicht leicht.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Freiwillig kauft man in diesen Tagen sicher kein Heizöl. Man wird sich allerdings für längere Zeit an das erhöhte Niveau gewöhnen müssen. Vor diesem Hintergrund muss man die aktuellen Preise als kaufbar bezeichnen.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Quelle: esyoil