Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Derzeit dreht sich am Ölmarkt wirklich alles um den Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Alle anderen Themen schaffen es allenfalls als Randnotiz wahrgenommen zu werden. Und als sei die Monothematik in einer komplexen Welt nicht schon surreal genug, kennt sie heute nur eine einzige Frage. Schickt der Iran Abgesandte zum Gespräch mit den USA nach Islamabad oder nicht? So etwas wurde hierzulande einst im Ohnsorg-Theater und im Komödienstadel abgehandelt. Der durchaus ehrenhafte Versuch der USA, komplexe politische Vorgänge durch Simplifizierung einer Lösung zuzuführen, weckte aufgrund der innewohnenden Infantilisierung immer schon Zweifel an seiner diplomatischen Tauglichkeit. Nun könnte er an dem Konflikt mit einem Staat, der von religiösen Hasardeuren regiert wird, endgültig scheitern.

Ob der Iran an den geplanten Gesprächen teilnimmt, ist eine einseitige Angelegenheit. Bedingungen an diese Gespräche werden indes beidseitig gestellt. Die USA wollen ihre Seeblockade erst nach einer Einigung beenden, während der Iran genau diese als Voraussetzung für Verhandlungen sieht. Da keine Annäherung erkennbar ist, droht mit dem Ende der Waffenruhe ein erneuter Ausbruch des Kriegs. Er würde nicht zuletzt den Ölmarkt immer härter belasten. Trotz dieser Unsicherheit reist die US-Delegation wohl an, während Pakistan versucht zu vermitteln. Ob es noch zu Gesprächen kommen wird, bleibt die Frage des Tages. Als Notlösung bei Nichtteilnahme könnte allenfalls die Verlängerung des Waffenstillstands den erneuten Anstieg der Ölpreise dämpfen.

Ölmarktexperten zeigen in diesen Tagen eine Art Verweigerungsoptimismus. Ein schlechter Ausgang wird in keiner Weise bepreist. Sie glauben inständig an ein positives politisches Zeichen, das das Desaster am Markt verhindern wird. Gleichzeitig adressieren sie aber eine gewisse Blindheit gegenüber den realen Marktproblemen, die heute bereits bestehen und morgen weit schärfer sein könnten. Ohne eine Öffnung der Straße von Hormus würde es zu Ölausfällen kommen, die die Preise für Rohöl der Sorte Brent über die Marke von 110 Dollar pro Barrel treiben dürften. Immerhin reagiert man bereits jetzt auf der Nachfrageseite mit spürbarer Verbrauchsenkung. Im positiven Fall eines „Deals“ würde die Versorgung aufgrund von Kriegsschäden dennoch mindestens bis zum Jahresende gestört bleiben und den Preisrückgang hinauszögern.

Hinter den Kulissen werden die ölexportierenden Anrainerstaaten am Persischen Golf intensiv an neuen Transportwegen arbeiten, die die Abhängigkeit von der Meerenge eines Tages reduzieren werden. Saudi Arabien verfügt beispielsweise schon über eine Pipeline zum Roten Meer. Auch der Irak will bald große Ölmengen vom Norden des Landes über die Kirkuk-Ceyhan-Pipeline aus der Türkei verschiffen, um eine Alternative zur unsicheren Route zu nutzen. Technisch ist die Verbindung inzwischen weitgehend hergestellt. Erste Lieferungen laufen bereits. Allerdings kann die Pipeline die möglichen Ausfälle über Hormus nicht annähernd ersetzen, da die Fördermengen im Süden des Iraks deutlich höher sind als die Transportkapazitäten der Nordroute. Weitere Projekte, die in ferner Zukunft Abhilfe schaffen werden, sind zu erwarten.

Heute Morgen ergibt sich an den Ölbörsen ein ähnliches Bild wie gestern Früh. Die Notierungen dümpeln seitwärts. Diesmal schließen sie allerdings an das Schlussniveau eines Verlusttags an. Die aktuelle Richtung unterstreicht die abwartende Haltung der Broker. Seit Freitag Früh verzeichnen die Ölnotierungen immer noch einen Rückgang. Nimmt man indes Freitagabend als Referenz, liegt aktuell weiterhin ein Preisanstieg vor. Tendenz unabsehbar.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 88,04 Dollar und das Barrel Brent zu 94,70 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.076,50 Dollar. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8501 Euro. Damit kostet der Euro 1,1761 Dollar.

Nationaler Markt

Die Heizölpreise geben nach, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Die Bewegung liegt im Rahmen der natürlichen Volatilität. Sie ist nicht zwingend als Zeichen für die kommende Entwicklung zu verstehen. Dazu ist die geopolitische Unsicherheit ohnehin viel zu groß. Die Trendkanäle für die verschiedenen Zeitbereiche weisen in den preisrelevanten Ansichten jedenfalls in Gänze aufwärts.

Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt hat etwas angezogen. Die Hoffnung auf tiefere Preise ist wieder vorhanden. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem für die Umstände ansehnlichen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Unser mathematisches Tiefpreissystem weist in allen Regionen der Republik Handelssignale aus. Es reagiert damit auf die extreme Volatilität im Markt. Darin eine Kaufempfehlung im klassischen Sinn zu erkennen, fällt allerdings nicht leicht.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Freiwillig kauft man in diesen Tagen sicher kein Heizöl. Man wird sich allerdings für längere Zeit an das erhöhte Niveau gewöhnen müssen. Vor diesem Hintergrund muss man die aktuellen Preise als kaufbar bezeichnen.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Quelle: esyoil