
Internationaler Markt
Die Ölpreise geben heute zum Handelsstart etwas nach, bleiben aber weit über der 100-Dollar-Marke. Brent-Rohöl kostet aktuell um die 104 Dollar je Barrel und damit zwei Prozent weniger als gestern. Am Markt setzt sich die Einschätzung durch, dass die jüngsten Angriffe am Persischen Golf die Ölversorgung bisher nicht ernsthaft beeinträchtigt haben.
Das gilt vor allem für Saudi-Arabien. Die Huthi-Miliz aus dem Jemen hatte die Zentrale des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco in Dhahran mit Raketen und Drohnen angegriffen. Nach Informationen von Reuters breitete sich ein Feuer über mehrere Stockwerke aus. Die Huthis kündigten weitere Angriffe auf Flughäfen und Ölanlagen im Königreich an. Der Flughafen von Riad bleibt vorerst geschlossen.
Ebenso gefährlich ist die Lage in der Straße von Hormus. Innerhalb von 24 Stunden sanken dort nach offenbar iranischen Angriffen ein Containerschiff und ein Massengutfrachter. Mehrere Tanker haben daraufhin ihre Fahrt zu den Ölhäfen in den Emiraten und im Oman abgebrochen. Ein dauerhafter Einbruch der Ölexporte aus dem Persischen Golf ist aber noch nicht zu erkennen.
Der Ölmarkt muss seit gestern auch den neuen Monatsbericht der Internationalen Energieagentur (IEA) verdauen. Er zeichnet ein gemischtes Bild. Die Rohölexporte vom Persischen Golf stiegen im September deutlich an und erreichten rund drei Viertel des Vorkriegsniveaus.
Beim Diesel und damit auch bei Heizöl erwartet die IEA hingegen keine Entspannung. Die Knappheit könnte bis weit ins nächste Jahr anhalten. Die IEA und ihre Mitgliedstaaten beraten heute über die Freigabe weiterer Notreserven. Nach Einschätzung von Analysten könnten 50 Mio. Barrel Diesel die Ausfälle aus Russland und vom Golf weitgehend ausgleichen, wenn sie rasch auf den Markt kommen.
Kaum Wirkung zeigten neue Lagerdaten aus den USA. Der Branchenverband API schätzt, dass die Rohölbestände in den USA im Vergleich zur Vorwoche um 11,1 Mio. Barrel geschrumpft sind. Doch die Händler halten die Zahlen für wenig belastbar. Auch könnten sie durch den Hurrikan Isaias verzerrt sein. Die offiziellen Zahlen des US-Energieministeriums (DOE) erscheinen wegen eines Feiertags erst heute um 18 Uhr. Bestätigen sie die API-Zahlen, wäre es der stärkste Rückgang der Rohölbestände seit über einem Jahr.
Die Ölbörsen starten am heutigen Morgen mit Abschlägen in den neuen Handelstag. Brent-Rohöl kostet aktuell 104,37 US-Dollar je Barrel . Die US-Rohölsorte WTI steht bei 94,04 US-Dollar je Barrel. ICE-Gasoil wird zu 1.445,75 Dollar je Tonne gehandelt Der US-Dollar ist 0,8915 Euro wert . Der Euro notiert bei 1,1213 Dollar.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise bewegen sich am Morgen nur wenig und bleiben in Sichtweite des Jahreshochs. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt aktuell einen landesweiten Durchschnittspreis von 172 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter).
Die Kaufbereitschaft, also das Verhältnis zwischen Preisanfragen und Bestellungen, liegt im oberen Mittelfeld. Die Stimmung kippt dagegen: In der täglichen Lesereinschätzung rechnen nur noch 48 Prozent der Stimmen mit fallenden Preisen, 52 Prozent erwarten steigende Notierungen. Gestern lag der Anteil der Optimisten noch bei 60 Prozent.
Wie geht es weiter mit der Ölheizung? Erste Neuigkeiten gab es gestern aus Berlin.
In den letzten Monaten sickerte nur wenig zur geplanten „Grünheizölquote“ durch. Bis Anfang Dezember soll der Entwurf für ein neues Gesetz vorliegen. Die Zeit drängt also. Jetzt hat das Wirtschaftsministerium ein Eckpunktepapier veröffentlicht, das in den nächsten Tagen mit den Verbänden diskutiert werden soll.
Wie geplant soll es ab dem Jahr 2028 mit der Beimischung von „erneuerbaren und kohlenstoffarmen Brennstoffen“ losgehen. Zunächst liegt die Quote bei einem Prozent, aber schon 2032 sollen es zehn Prozent sein, im Jahr 2040 dann 50 Prozent und im Jahr 2045 dann schließlich 100 Prozent.
Leider geht es im Text fast nur um „Grüngas“ und weniger um „Grünheizöl“, aber die Vorgaben wirken auf den ersten Blick recht flexibel. Das läuft in den ersten Jahren auf Beimischungen aus Biodiesel hinaus. Sollte es aber wie im Gassektor Mehrfachanrechnungen für höherwertige Brennstoffe geben, könnte auch HVO für die Heizölanbieter interessant werden. Für die Verbraucherinnen und Verbraucher heißt das aber in beiden Fällen, dass die Preise für Heizöl steigen werden.
Quelle: esyoil