Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Die Ölpreise sind wieder einmal Indikator eines geopolitischen Zustands. Bis gestern Früh berauschte man sich am Abkommen zwischen USA und Iran mit fallenden Notierungen. Dann fragte jemand nach den Details. Die Feststellung, dass sie weitgehend unbeantwortet sind, stoppte den Abwärtslauf. Derzeit befinden sich die Ölnotierungen auf dem gleichen Niveau wie im April, als die Straße von Hormus für einige Stunden wiedereröffnet war. Immerhin, es ist davon auszugehen, dass das abgesenkte Preisniveau diesmal länger als einen Tag überdauert.

Was im Abkommen steht, bleibt bis zu seiner Unterzeichnung kommenden Freitag verschlossen. Man kennt aber dem Vernehmen nach seinen Geist. Er besagt, dass beide Seiten nach der Unterzeichnung 60 Tage Zeit haben, um eine Lösung im Atomstreit auszuhandeln. Während dieser Übergangsphase soll die Passage durch die Straße von Hormus gebührenfrei bleiben. Nach Angaben iranischer Medien wurde zudem festgelegt, dass die Verwaltung der Schifffahrtsdienste in der Meerenge künftig Iran und Oman unterstellt wird.

Nach Ablauf der 60 Tage will der Iran Transitgebühren erheben. Die USA sollen dieses Prinzip grundsätzlich akzeptiert und lediglich eine vorübergehende Ausnahmeregelung erreicht haben. Langfristig plant der Iran außerdem, Einnahmen aus Dienstleistungen für die Schifffahrt wie Sicherheit, Versicherung und Navigation zu erzielen, um die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu fördern. US-Präsident Trump wird indes mit den Worten zitiert: „Die Passage wird offen sein und es werden keine Gebühren erhoben.“

Über die Zeit bis zur Wiedereröffnung der Meerenge sagt Trump: „Wir haben bereits jetzt viele Fahrspuren geöffnet“. Experten westlicher Sicherheits- und Marineunternehmen bezweifeln allerdings, dass die Wasserstraße bereits in wenigen Tagen sicher befahrbar sein wird. Die Räumung möglicher Seeminen könnte je nach Umfang der Verminung mehrere Wochen dauern. Bis die Route vollständig überprüft und von Versicherern sowie Reedereien wieder freigegeben wird, könnten im schlimmsten Fall 40 bis 50 Tage vergehen.

Nach Öffnung der Straße von Hormus rechnen Fachleute nicht mit einer schnellen Rückkehr zur Normalität. Mit Blick auf die Produktionsfähigkeit der betroffenen Länder sprechen sie von Monaten. Beim Finanzdienstleister Morgan Stanley ist man beispielsweise der Meinung, dass bis September etwa die Hälfte und bis Dezember rund 80 Prozent der früheren Produktion wiederhergestellt sein wird. Angesichts einer reduzierten Nachfrage kann es allerdings sein, dass eine Wiederaufnahme der Transporte von 60 bis 70 Prozent des Vorkriegsniveaus ausreicht, um den Ölmarkt wieder in eine Überversorgung mit fallenden Preisen zu bringen. Die Aussichten sind in jeder Hinsicht vielfältig und vage.

Unabhängig davon wie ein Friedensabkommen aussieht und ob es überhaupt zustande kommt, dürfte sich die Bedeutung der Straße von Hormus langfristig ändern. Anrainer am Persischen Golf werden Alternativen für ihre Ölexporte entwickeln. Das sind vornehmlich Pipelines, die an anderen Küsten enden, im Golf von Oman, im Golf von Aden, im Roten Meer oder im Mittelmeer. Dorthin transportiert beispielsweise die Kirkuk-Ceyhan-Pipeline irakisches Öl seit 1970. In den letzten Jahren haben vertragliche Durchleitungsprobleme mit der Türkei zur temporären Stilllegung der Strecke geführt. Mittlerweile drängt der Irak aber auf eine Verlängerung des bisherigen Exportabkommens mit Ankara. Der bestehende Vertrag läuft Ende Juli aus.

Die Pipeline, die früher bis zu einer halben Million Barrel Rohöl pro Tag transportierte, spielt für den Irak eine wichtige Rolle, insbesondere angesichts der Unsicherheiten rund um die Straße von Hormus. Bagdad plant, die Exporte über Ceyhan wieder auf die alte Menge zu heben, und bittet deshalb um eine mindestens einjährige Verlängerung des alten Vertrags, um mehr Zeit für neue Regelungen und eine langfristige Zusammenarbeit mit der Türkei zu gewinnen.

Zur Börse: Gestern Nachmittag kam es mit dem Eintritt der New Yorker Broker nicht zu der erhofften Fortsetzung des Preisabgangs. Der ließ auch heute Morgen auf sich warten. Mittlerweile ist er aber in Gang gekommen. Rohöl- und Gasölnotierungen streben der nächsten Zehner- bzw. Hundertermarke entgegen. Konkret liegen sie bei 80 Dollar pro Barrel für die Sorte Brent und 900 Dollar pro Tonne für Gasöl. Das ist das Vorprodukt für Heizöl und Diesel.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 78,53 Dollar und das Barrel Brent zu 81,03 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 903,50 Dollar. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8615 Euro. Damit kostet der Euro 1,1605 Dollar.

Nationaler Markt

Die Heizölpreise setzen ihre Abwärtsbewegung fort, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Damit folgen sie den internationalen Vorgaben. Nach leichten Anlaufstörungen kommen sie nun auch der Höhe nach dem Börsenabgang hinterher. Der Trend ist allerdings keine sichere Angelegenheit. Er weist nur kurzfristig abwärts. In den anderen kaufrelevanten Zeitansichten steigen die Kanäle weiter an. Das passt zur prinzipiell unsicheren geopolitischen Lage.

Im Binnenmarkt halten sich Kunden mit Heizölbestellungen noch zurück. Die Hoffnung auf tiefere Preise schießt indes in die Höhe. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf niedrigem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem sozialistischen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Das mathematische Tiefpreissystem weist in allen Regionen der Republik Handelssignale aus.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Ein Ende des erhöhten Preisniveaus beginnt Kontur anzunehmen. Die Richtung der Preise kann trotzdem jederzeit wieder drehen.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Quelle: esyoil