Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Die Ölpreise fallen jetzt bereits seit über fünf Wochen. Auch heute geht es am Morgen erst einmal weiter abwärts. Brent-Rohöl kostet aktuell 78 Dollar je Barrel. Das liegt nur noch neun Dollar über den Durchschnittspreisen im Februar, also kurz vor dem Irankrieg.

Die Ölbörsen bleiben optimistisch und bauen darauf, dass sich die globale Versorgungslage schon bald wieder normalisiert. In der Tat konnten gestern die ersten Tanker mit iranischem Öl die Blockade der USA unbehelligt passieren. Alle anderen Tanker, die seit Anfang März im Persischen Golf verharren müssen, bereiten sich auf die Öffnung der Straße von Hormus vor, warten aber erst einmal ab.

Die Rahmenvereinbarung (Memorandum of Understanding) zwischen Washington und Teheran soll erst am Freitag offiziell unterzeichnet werden. Anscheinend sind einige Punkte noch immer nicht geklärt. Was gestern bekannt wurde, zeigt jedoch, dass sich der Iran weitgehend durchsetzen konnte.

Die Sanktionen gegen iranische Ölexporte werden demnach sofort aufgehoben. Auch werden die USA und mehrere Golfstaaten einen Fonds im Umfang von 300 Milliarden Dollar bereitstellen, um Iran wirtschaftlich zu unterstützen. Anscheinend werden auch große Teile der seit vielen Jahren eingefrorenen Vermögenswerte zügig freigegeben. Die Angriffe Israels auf die Hisbollah-Terrormilizen im Libanon sollen gestoppt werden.

Im Gegenzug will der Iran die Blockade der Straße von Hormus ab Freitag offiziell beenden. Seeminen und andere Hindernisse sollen binnen 30 Tagen entfernt werden. Allerdings beharrt Teheran darauf, dass das „Management“ der Straße von Hormus auch in Zukunft in den Händen des Iran bleibt. Eventuell werden also nach den geplanten 60-tägigen Verhandlungen Abgaben oder Gebühren für die Passage der Meeresenge erhoben.

In den USA regt sich jetzt immer mehr politischer Widerstand gegen das Abkommen. Über 100 Milliarden Dollar hat der Feldzug gekostet, doch Washington steht offenbar mit leeren Händen da: Teheran erhält konkrete Zusagen und Finanzmittel, bietet im Gegenzug aber nur vage Zusagen, die jederzeit widerrufen werden können.

Trotz der vielen Unwägbarkeiten atmen die Ölmärkte erst einmal auf. Für sie zählt nur, dass der Ölfluss durch die Straße von Hormus bald wieder in Gang kommt.

Noch ist es aber nicht so weit. Der rapide Lagerabbau geht vorerst weiter. Der Branchenverband der amerikanischen Ölindustrie (API) schätzt, dass die gewerblichen Rohölvorräte in der letzten Woche erneut um über 8 Mio. Barrel geschrumpft sind. Hinzu kommt der Abbau der strategischen Ölreserven der USA um 9 Mio. Barrel. Zusammen ergäbe das den zweitstärksten Lagerabbau aller Zeiten. Morgen werden die offiziellen Zahlen im Wochenbericht des Energieministeriums veröffentlicht.

Die europäischen Ölbörsen gehen in diesen Minuten mit weiteren Preisabschlägen in den Handel. Die Händler warten vor allem auf den neuen Monatsbericht der Internationalen Energieagentur (IEA). Brent-Rohöl kostet aktuell 78,56 US-Dollar je Barrel. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 75,44 US-Dollar je Barrel. Rotterdamer Gasoil wird zu 890,75 Dollar je Tonne gehandelt. Der US-Dollar ist 0,8614 Euro wert. Der Euro steht bei 1,1606 Dollar.

Nationaler Markt

Der Optimismus an den internationalen Ölbörsen macht sich auch im deutschen Heizölmarkt bemerkbar. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen landesweiten Durchschnittspreis von 109-110 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter).

Das ist der niedrigste Preis seit Anfang März, also seit Ausbruch des Irankriegs. Der Diesel- und Heizölmarkt gilt als überversorgt, vor allem in Süddeutschland, wo die Raffinerien die Nachfrage problemlos decken können.

Trotzdem bleibt der Heizölmarkt sehr ruhig. Die Zahl der Bestellungen ist gering. Das mathematische Tiefpreis-System, das Preistrends auswertet, gibt eine Kaufempfehlung aus, aber die Verbraucherinnen und Verbraucher hoffen auf mehr. Die tägliche Lesereinschätzung zeigt, dass nahezu 90 Prozent der Voten weiter fallende Heizölpreise erwarten.

Doch wie lange noch? Marktanalysen von Argus zeigen, dass die Öltanks in privaten Haushalten auf dem niedrigsten Stand seit sechs Jahren sind. Doch der Kaufdruck bleibt vorerst gering. Jetzt kommt erst einmal der Sommer.

Trotz der relativ entspannten Lage gilt aber nach wie vor: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbraucht wird. Reduzieren Sie Ihren Heizölbedarf und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung. Die Verbraucherzentralen halten Tipps und Empfehlungen bereit.

Quelle: esyoil