
Internationaler Markt
Brent-Rohöl eröffnet heute nach den gestrigen Gewinnmitnahmen bei 104 Dollar je Barrel.
Der Iran-Konflikt hält an, mit all seinen Sicherheitsrisiken für Ölexporte. Gleichzeitig zeigen sich bei den physischen Ölströmen zunehmend Zeichen der Entspannung. Diese positiven Nachrichten werden auch an den Ölbörsen aufgenommen. Ein Beispiel ist die Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien: Die Beladungen am Hafen Yanbu am Roten Meer sind angelaufen. Bereits in der vergangenen Woche war die nach einem Drohnenangriff beschädigte Pipeline wieder in Betrieb genommen worden. Inzwischen sollen wieder rund 3,5 Millionen Barrel Öl pro Tag in Yanbu ankommen und dort auf Tanker verladen werden. Das entspricht etwas der Hälfte der eigentlichen Pipeline-Kapazität. Brancheninsider gehen von einer schnellen weiteren Erholung aus. Das Schiffsverfolgungsunternehmen TankerTrackers.com berichtet unter Verweis auf Satellitenbilder, dass Saudi-Arabien in Yanbu und am weiter südlich gelegenen Terminal Al Muajjiz fast 10 Millionen Barrel verladen hat.
Auch andere Produzenten bauen ihre Ausweichmöglichkeiten zur Straße von Hormus aus. Irak hat seine Exporte durch die Kirkuk-Ceyhan-Pipeline auf 250.000 Barrel pro Tag erhöht. Nach langen Streitigkeiten über vertragliche Probleme hatten der Irak und die Türkei im August eine Vereinbarung über die weitere Nutzung der Leitung für ein Jahr verlängert. Die Pipeline zum türkischen Ölhafen Ceyhan bietet eine Alternative zur Passage durch die Straße von Hormus. Trotz der höheren Ausfuhren über diese Route bleiben die gesamten irakischen Ölexporte mit rund 2,6 Millionen Barrel pro Tag noch immer rund 24 Prozent unter dem Niveau von September 2025.
Der Oman richtet seine Infrastruktur ebenfalls stärker auf einen Ölhandel fern der Straße von Hormus aus. Das Land plant, seine Ölspeicher in der wichtigen Export-Hafenstadt Duqm am Arabischen Meer innerhalb von drei Jahren von derzeit rund 5 Millionen auf 10 Millionen Barrel aufzustocken. Die staatliche Energiefirma OQ SAOC prüft zudem den Einsatz von zwei Großtankern als schwimmende Lager.
Die Ölproduzenten der Region arbeiten daran, ihre Lieferketten robuster gegenüber einer Blockade der Straße von Hormus zu machen. Manche Maßnahmen wirken bereits und stabilisieren aktuell die Lieferstrukturen, andere sind langfristige Vorsorge. Für den Ölmarkt bedeutet das: Ein guter Teil des Angebots kann inzwischen unter den aktuellen Sicherheitsrisiken aufrechterhalten werden. Eskaliert der Konflikt allerdings erneut und wird Energieinfrastruktur beschädigt, muss auch wieder mit Ausfällen gerechnet werden.
Aktuelle Schätzungen zeigen, wie weit die Erholung der physischen Liefermengen bereits reicht: Laut JPMorgan haben sich die Rohölausfuhren aus dem Nahen Osten auf rund 17,5 Millionen Barrel täglich erholt und damit 98 Prozent des Vorkriegsniveaus erreicht. Goldman Sachs kommt zu einem ähnlichen Bild. Das Investmenthaus schätzt die Ölexporte aus dem persischen Golf einschließlich verdeckter Lieferungen auf 23,3 Millionen Barrel pro Tag. Die Analysten sehen den globalen Ölmarkt damit im September als weitgehend ausgeglichen.
Bei den Ölprodukten ist das Bild dagegen deutlich angespannter. Auch wenn Gasöl den Preisrücksetzer gestern zunächst mitgegangen ist, haben die Futures am Abend einen Teil des Rückgangs wieder ausgeglichen. Die russische Raffineriekapazität ist durch die anhaltenden ukrainischen Drohnenangriffe massiv gesunken. Der Landesweite Raffineriedurchsatz ist nach Angaben der Internationalen Energieagentur auf dem tiefsten Stand seit über zwanzig Jahren.
An der Ölbörse steigen die Gasölpreise heute Morgen bereits wieder deutlich, während die Rohölnotierungen ihre Richtung suchen. Das Barrel der US-Rohölsorte WTI (West Texas Intermediate) steht aktuell bei 90,39 Dollar . Brent kostet 103,66 US-Dollar das Barrel Eine Tonne Gasöl wird zu 1438,75 Dollar gehandelt . Der US-Dollar kostet heute Morgen 0,8807 Euro. Damit ist der Euro für 1,1352 Dollar zu haben .
Nationaler Markt
Die Heizölpreise ziehen heute Morgen wieder an. Auslöser sind die gestiegenen Gasölpreise am internationalen Ölmarkt, die den Preisrückgang bei Rohöl überlagern. Der bundesweite Durchschnittspreis liegt in der aktuellen Heizölpreis-Tendenz bei 165,30 Euro je 100 Liter (Standardlieferung 3.000 Liter).
Auch wenn Gasöl, das ein Vorprodukt in der Herstellung von Heizöl ist, den Preisrücksetzer bei Rohöl gestern mitgegangen ist, haben die Notierungen noch am Abend einen Teil ihres Rückgangs ausgeglichen und steigen auch heute früh weiter. Das nimmt die Heizölpreise im Binnenland mit aufwärts. Für den Südwesten Deutschlands spielen zudem die niedrigen Pegelstände auf dem Rhein und die damit verbundenen deutlich gestiegenen Transportkosten weiterhin eine Rolle.
Die Kaufbereitschaft der Heizölkunden – bemessen anhand der tatsächlich aufgegebenen Bestellungen nach einer Preisanfrage – liegt auf mittlerem Niveau. Gleichzeitig überwiegt die Hoffnung auf günstigere Kaufgelegenheiten: In der tagesaktuellen Lesereinschätzung rechnen 71 Prozent der Befragten mit sinkenden Preisen.
Orientierungshilfe für alle Unentschlossenen: Die Krise im Nahen Osten und auch die russischen Raffinerieausfälle halten an. Beides sorgt für das aktuell hohe Preisniveau. Ein schnelles Ende dieser Phase scheint unwahrscheinlich. Wer kurzfristig Nachschub benötigt, ist mit einer Teilbestellung derzeit weiterhin auf der sicheren Seite.
Darüber hinaus gilt mehr denn je: Zukunftsfähig werden wir nur, wenn wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln.
Quelle: esyoil