Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Die Ölpreise eskalieren. Binnen einer Woche haben sie um 15 bis 17 Prozent zugelegt. Das ist deutlich mehr als im vorausgegangen Wochenverlauf. Was wir hier sehen, ist ein Sekundäreffekt. Der Brandstifter dahinter ist die Politik, die sowohl am Persischen Golf als auch im Russland-Ukraine-Konflikt nichts Besseres als die Kriegskarte zu spielen versteht.

Die Straße von Hormus entwickelt sich erneut zum Brennpunkt des Nahostkonflikts. Trotz der vereinbarten Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran kommt es in der strategisch wichtigen Meerenge wieder zu Angriffen auf Handelsschiffe und militärischen Vergeltungsschlägen. Auslöser der neuen Eskalation sind unterschiedliche Interpretationen des Waffenruhe-Abkommens. Während Washington davon ausgeht, dass die freie Schifffahrt durch die Vereinbarung garantiert werden sollte, beansprucht Teheran weiterhin eine Kontrollfunktion über die Passage.

Für den Iran bietet dieses Vorgehen einen erheblichen strategischen Vorteil. Das Regime hat erkannt, dass bereits die Drohung, den Schiffsverkehr einzuschränken oder die Meerenge zeitweise zu blockieren, erhebliche Auswirkungen auf den Welthandel und die Energiepreise hat. Ohne die Passage vollständig schließen zu müssen, kann Teheran politischen und wirtschaftlichen Druck auf seine Gegner ausüben und seine Verhandlungsposition stärken.

Besonders bemerkenswert ist dabei die sicherheitspolitische Signalwirkung. Jahrzehntelang galt die sogenannte Carter-Doktrin als Grundpfeiler amerikanischer Nahostpolitik. US-Präsident Jimmy Carter erklärte Anfang der 1980er Jahre, dass jeder Versuch, den Persischen Golf oder die Straße von Hormus militärisch zu kontrollieren oder zu blockieren, als Angriff auf die lebenswichtigen Interessen der Vereinigten Staaten angesehen werde und notfalls mit militärischer Gewalt beantwortet werde.

Aus Sicht vieler Beobachter ist diese Abschreckungswirkung nun verloren. Der Iran testete die Grenzen der amerikanischen Reaktion aus und stellte fest, dass Washington trotz der Angriffe auf den Schiffsverkehr eine direkte militärische Befreiung der Meerenge scheute. Damit wirkte die jahrzehntelang geltende Drohung der USA erstmals wie ein Bluff. Für die Führung in Teheran ist diese Erkenntnis ein Geschenk. Es erlaubt ihr, die Kontrolle über Hormus zunehmend als Teil ihres strategischen Instrumentariums zu verwenden, um politischen Druck auszuüben und wirtschaftliche Zugeständnisse zu erzwingen. Selbst Überlegungen, künftig Gebühren oder andere Abgaben für die Passage zu verlangen, verdeutlichen diesen Machtanspruch, auch wenn ein solches Vorgehen dem internationalen Seerecht widersprechen würde.

Hinzu kommen innenpolitische Faktoren. In den USA geriet Präsident Donald Trump wegen des Abkommens innenpolitisch unter Druck. Gleichzeitig verschärften Berichte über iranische Drohungen gegen ihn sowie die anhaltende Feindschaft zwischen Teheran, Washington und Israel das gegenseitige Misstrauen. Innerhalb des iranischen Machtapparats gewannen zudem Hardliner an Einfluss, denen ein kompromissloser Konfrontationskurs näher liegt als die Chance, nun ein für den Iran sehr vorteilhaftes Abkommen mit den USA abschließen zu können. Dem Vernehmen nach sind die Verhandlungen darüber mittlerweile vollends zum Erliegen gekommen.

Nicht minder trist ist die Entwicklung des Ukraine-Kriegs. Die Kontrahenten und ihre Unterstützer, unter ihnen im Besonderen die EU, lassen nichts anderes als die Waffen sprechen. Das ist für die Ukraine in diesen Tagen durchaus ein zu gönnendes Erfolgserlebnis. Aber wenn es das einzige politische Mittel des Konflikts bleibt, werden die Energiepreise in Europa kaum günstiger werden. Im Gegenteil, ihnen droht weitere Steigerung.

Die Perspektive wirkt so ungewiss wie aussichtslos. Sie wird derzeit an den Börsen gehandelt. Dabei kommt es bisweilen zu erheblichen Preisausschlägen. Im Börsenjargon heißt das, die Volatilität ist hoch. Die Eröffnung der Ölbörse heute Morgen gibt ein Beispiel dafür. Beim Start legten die Notierungen für Gasöl, das ist das Vorprodukt für Heizöl und Diesel, um drei Prozent zu. Mittlerweile ist der Gewinn so gut wie glattgestellt. Insgesamt verläuft der Preisanstieg der Ölnotierungen allerdings geradezu geordnet.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 82,61 Dollar und das Barrel Brent zu 88,61 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.186,00 Dollar. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8737 Euro . Damit kostet der Euro 1,1443 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise steigen immer weiter, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie folgen damit den internationalen Vorgaben. Die Wucht der Bewegung führt dazu, dass der kurzfristige Abwärtstrend alsbald zu kippen droht. Er wird wohl zu einem Aufwärtstrend mutieren. Unter den kaufrelevanten Zeitansichten weist dann nur noch der Trend in der 6-Monatsansicht abwärts.

Ein weiterer Aspekt hoher Heizölpreise ist die Lage auf den deutschen Wasserstraßen. Viele von ihnen leiden an Niedrigwasser. Das führt zu hohen Frachtkosten. Auf dem Rhein sind sie seit Monatsbeginn zwischen 50 und 70 Prozent für Passagen in westdeutsche Häfen und zwischen 150 und 180 Prozent für Passagen in südwestdeutsche Häfen gestiegen.

Im Binnenmarkt ist das Kundeninteresse an Heizöl außerordentlich gering. Die Hoffnung auf bessere Preise ist auch perdu. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf niedrigem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem Minderheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Vom Ende des erhöhten Preisniveaus kann man derzeit nur träumen. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, sollte sich für den Kauf einer Teilmenge entscheiden und dann entspannt auf deutlich tiefere Preise warten.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Quelle: esyoil