Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Anfang April einigten sich die USA und der Iran auf eine vorläufige Waffenruhe für den sechs Wochen zuvor begonnenen Krieg. Gleichzeitig sollten Verhandlungen über ein umfassenderes und dauerhaftes Friedensabkommen beginnen. Am Ölmarkt wurde dieser Akt mit skeptischer Erleichterung aufgenommen. Er hielt nicht, was er versprach. Mitte Juni erneuerten die Kriegsparteien ihr Vorhaben in einem

Memorandum of Understanding. Es verlängerte die Waffenruhe und schuf einen Rahmen für eine dauerhafte Konfliktlösung. Am Ölmarkt war man vorsichtig erleichtert, teilts sogar dezidiert optimistisch. Bis heute haben die Kontrahenten keinen ihrer guten Vorsätze realisiert. In dieser Angelegenheit stehen sie mit leeren Händen da. Am Ölmarkt bemüht man sich, mit den Umständen umzugehen.

Die Preise bildeten im Verlauf der Ereignisse scheinbar zwei Welten ab. Rohöl schnellte bei Kriegsbeginn um 70 Prozent in die Höhe und erreichte dies Niveau bis weit in den Mai hinein immer wieder, mit zwischenzeitlichen Abgängen bis zu 20 Prozent. Die vorläufige Waffenruhe hinterließ nur geringe Bremsspuren. Das Memorandum zeigte dann mehr Wirkung. Es näherte die Notierungen deutlich an das Vorkriegsniveau an. Danach folgte eine weitere Spitze, die aber nicht mehr an die alte Kriegshöhe herankam. Heute befindet sich der Rohölpreis mitten zwischen dem Vorkriegs- und dem Höchstniveau des Kriegs. Gasöl, das Vorprodukt für Heizöl und Diesel, schnellte bei Kriegsbeginn um 130 Prozent in die Höhe. Dies Niveau wurde nicht wieder erreicht. Bis zur vorläufigen Waffenruhe schüttelte es mehr als die Hälfte des Kriegsanstiegs ab. Nach einem zwischenzeitlichen Anstieg konnte das Memorandum den Anstieg gegenüber dem Vorkriegsniveau auf ein Drittel drücken. Heute befindet sich der Gasölpreis mehr als 80 Prozent über dem Vorkriegsniveau.

Der wesentliche Grund für die Diskrepanz zum Rohöl liegt an Schwächen der kritischen Infrastruktur zu Kriegszeiten. Konkret sind damit Raffinerien gemeint. Sie sind sowohl im Nahen Osten als auch in Russland gesuchte Ziele der angegriffenen Parteien. Mit vergleichsweise kleinen Drohnen lässt sich großer Schaden anrichten.

Zurück zu den nicht realisierten Vorsätzen der Kriegsparteien. Präsident Trump spiegelt die taffe Sechs-Punkte-Vorlage des Iran mit der Gegenforderung von umfassenden Entschädigungszahlungen für Opfer und Schäden, die er dem iranischen Regime in den vergangenen Jahrzehnten sowie in aktuellen und früheren Konflikten zuschreibt. Er wies seine Unterhändler an, diese Forderungen in künftige Verhandlungen aufzunehmen. Da Teheran seinerseits Entschädigungen von den USA für Schäden des aktuellen Krieges verlangt, verschärft der gegenseitige Streit um Kompensationen die Fronten. So lässt sich weder eine Einigung noch eine vollständige Öffnung der Seewege im Nahen Osten erzielen.

Zu allem Überfluss gerät nun auch Libyen in eine kritische Lage. Dort belasten neue Unruhen und Drohnenangriffe die Ölindustrie. Nach Protesten und einem zeitweiligen Produktionsstopp am Ölfeld El-Feel Ende Juli wurde nun die Raffinerie von Zawiya im Westen des Landes mehrfach mit Drohnen angegriffen. Beim jüngsten Angriff geriet ein Tank mit rund 4,5 Mio. Litern Kraftstoff in Brand. Weitere Anlagen wurden ebenfalls attackiert. Die staatliche National Oil Corporation (NOC) rief deshalb den Notstand aus und warnte vor möglichen Beeinträchtigungen der Treibstoffversorgung.

Die Vorfälle treffen ein politisch gespaltenes Land mit rivalisierenden Machtzentren in West- und Ostlibyen. Seit dem Sturz Muammar Gaddafis 2011 werden Ölfelder, Häfen und andere Energieanlagen immer wieder zum Schauplatz bzw. Druckmittel politischer und militärischer Auseinandersetzungen. Da Libyen über die größten nachgewiesenen Erdölreserven Afrikas verfügt und stark von seinen Ölexporten abhängt, können länger anhaltende Störungen auch für den internationalen Ölmarkt relevant werden.

Die Börsen sind gestern in einen außerordentlich bullischen Zustand zurückgekehrt. Rohöl- und Gasölnotierungen legen kräftig um sieben bzw. zwölf Prozent zu.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 84,38 Dollar und das Barrel Brent zu 89,92 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.361,50 Dollar Der US-Dollar kostet aktuell 0,8669 Euro Damit kostet der Euro 1,1533 Dollar.

Nationaler Markt

Die Heizölpreise steigen wieder deutlich, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie folgen damit den internationalen Vorgaben. Weder der Preisrückgang in der letzten Woche noch der aktuelle Anstieg haben an der Konstellation der Trends etwas geändert. In den verschiedenen Zeitbereichen dominieren Aufwärtskanäle eindeutig die kaufrelevanten Perioden. Angesichts der geopolitischen Umstände ist kaum etwas anderes zu erwarten.

Die Frachtraten auf dem Rhein befinden sich weiter auf dem hohen Niveau der letzten Woche. Auch in den kommenden Tagen werden kaum Veränderungen erwartet, da die eingeschränkte Befahrbarkeit auf eine zeitgleich gedämpfte Nachfrage aufgrund hoher Ölpreise und der Ferienzeit trifft. Die Rheinpegel dürften zunächst noch etwas sinken und anschließend seitwärts tendieren. Bei Maxau wird mit knapp 2,90 Meter sogar der niedrigste Stand seit 63 Jahren vorhergesagt.

Im Binnenmarkt ist das Kundeninteresse an Heizöl etwas gestiegen. Die Hoffnung auf bessere Preise ist indes gedämpft. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem sehr schwachen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Vom Ende des erhöhten Preisniveaus kann man derzeit nur träumen. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, sollte sich für den Kauf einer Teilmenge entscheiden und dann entspannt auf deutlich tiefere Preise warten.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Quelle: esyoil