Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Sechster Tag im Irankrieg. Die USA wollen ihre Angriffe ausweiten, erklärt Washington. Der Iran gibt sich nicht geschlagen, sondern greift weiterhin Ziele in der Region an. Anscheinend wird nun der Sohn des getöteten Staatschefs Chameinei als Nachfolger gehandelt. Das klingt nicht nach einem schnellen Waffenstillstand.

Militärisch muss Teheran nicht viel tun. Es reicht, die Straße von Hormus zu blockieren, um die USA und den Rest der Welt immer stärker unter Druck zu setzen. Gestern wurden anscheinend mehrere Tanker angegriffen. Hunderte von Schiffen, vom Containerfrachter bis zum Öltanker, stauen sich auf beiden Seiten der Meerenge.

Im Irak, dem zweitgrößten OPEC-Produzenten, laufen die Öltanks voll. Das Land musste daher seine Ölförderung um 1,5 Mio. Barrel pro Tag drosseln. Qatar kann nach wie vor kein LNG, also verflüssigtes Erdgas, aus der Region exportieren.

Der Iran hat weitere Druckmittel zur Verfügung. Drohnen und Raketen könnten die Meerwasserentsalzungsanlagen oder die Wasserleitungen in Saudi-Arabien zerstören. Die saudische Hauptstadt Riad müsste dann schon nach einer Woche evakuiert werden, konnte man gestern auf Bloomberg nachlesen.

In diesem Umfeld können die Ölpreise nicht fallen. Brent-Rohöl kostet am Morgen knapp unter 84 Dollar je Barrel. Ein weiterer Anstieg ist nur eine Frage der Zeit. Noch weitaus stärker steigen die Preise für Tankerexporte und für Ölprodukte wie Diesel oder Jet Fuel. Dasselbe gilt für die Erdgaspreise.

China hat den Raffinerien des Landes den Export von Diesel und Benzin verboten. Peking stellt sich damit anscheinend auf eine längere Lieferunterbrechung ein. Gleichzeitig wurde das Wachstumsziel für dieses Jahr erstmals seit Jahrzehnten unter fünf Prozent gesenkt. Für europäische Ohren klingt das nicht dramatisch, aber für China stellt es eine Zäsur dar.

Eine Oase der Normalität bot dagegen der Wochenbericht zum amerikanischen Ölmarkt, der gestern veröffentlicht wurde. Die Rohölbestände legten zu. Das gilt auch für Heizöl/Diesel, während die Benzinvorräte leicht schrumpften. Hier die Zahlen des US-Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderungen der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche:

∙ Rohöl: +3,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,6 Mio. Barrel (API)
∙ Heizöl und Diesel: +0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,5 Mio. Barrel (API)
∙ Benzin: -1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,3 Mio. Barrel (API)

Kurz nach Börsenstart kostet Brent-Rohöl 83,76 US-Dollar je Barrel. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 77,10 US-Dollar je Barrel. Rotterdamer Gasoil wird zu 1090,75 Dollar je Tonne gehandelt. Der US-Dollar ist 0,8622 Euro wert. Der Euro steht bei 1,1596 Dollar.

Nationaler Markt

Die Heizölpreise haben sich von den internationalen Rohölpreisen völlig abgekoppelt und steigen ungebremst in die Höhe. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt aktuell einen landesweiten Durchschnittspreis von knapp 133 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Zur Erinnerung: Vor einer Woche waren es noch 96 Euro. Das ist das höchste Preisniveau seit 2022, dem ersten Kriegsjahr in der Ukraine.

Der Preisschub kommt wie schon in den letzten Tagen aus dem Markt für Gasoil, dem Vorprodukt der Raffinerien für Diesel und Heizöl. Dort liegen die Gewinnmargen mittlerweile auf Rekordniveau. Während ein Fass Öl knapp 84 Dollar kostet, wenn es als Rohöl in die deutsche oder Rotterdamer Raffinerie fließt, kostet es knapp 150 Dollar, wenn es als Gasoil wieder herauskommt.

Hinzu kommt, dass ausgerechnet jetzt die beiden großen Raffinerien in Bayern ihre Produktion heruntergefahren haben, um Instandhaltungsarbeiten durchzuführen. Das verstärkt den Preisdruck zusätzlich.

Kein Wunder, dass die Zahl der Bestellungen im Lauf der letzten Tage stark gefallen ist und nun unter dem Durchschnitt liegt. Viele Heizölkunden warten jetzt erst einmal ab, bis sich die Preise beruhigt haben. Die täglich erhobene Lesereinschätzung zeigt allerdings, dass immer noch eine Mehrheit der Marktteilnehmer besorgt in die Zukunft blickt.

Wer jetzt nicht kaufen muss, sollte das in der Tat nicht tun. Die Preise im Heizölmarkt wirken im Moment stark überhöht. Allerdings kann sich die Krise am Persischen Golf noch hinziehen. Der weitere Verlauf ist kaum einzuschätzen. Wer pessimistisch auf die kommenden Wochen blickt und kaum noch Reserven im Tank hat, kann sich zumindest mit einer kleineren Bestellmenge durch die nächsten Monate bringen.

In dieser Lage gilt mehr denn je: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbrannt wird. Reduzieren Sie Ihren Verbrauch und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung. Die Verbraucherzentralen halten Tipps und Empfehlungen bereit.

Quelle: esyoil