
Internationaler Markt
Der Krieg im Nahen Osten ist wieder voll entflammt. Gestern griffen Saudi-Arabien und die USA erstmals gemeinsam vom Iran unterstützte Truppen im Irak an. Die irakische Regierung verurteilte die Angriffe als eklatante Verletzung ihrer Souveränität, während Teheran neue Vergeltungsschläge ankündigte. Die USA flogen in der Nacht zudem eine neue Angriffswelle gegen militärische Ziele im Iran, verschonten aber anscheinend zivile Infrastrukturen. Am Mittwoch wurden zudem vor der ägyptischen Mittelmeerküste zwei LNG-Tanker von Projektilen getroffen und gingen in Flammen auf. Die näheren Umstände sind hier aber noch unklar.
Die Eskalation treibt die Ölpreise wieder nach oben. Brent-Rohöl kostet am heutigen Morgen 93 Dollar je Barrel. Kein Wunder, denn die Straße von Hormus bleibt fast vollständig blockiert, nur vereinzelt wagen Tanker die Durchfahrt. Immerhin passieren einige Schiffe die Meerenge Bab al-Mandab zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden.
Besonders angespannt bleibt der Dieselmarkt. Russland hat sein Dieselexportverbot bis Ende August verlängert. In Saudi-Arabien musste nach einem Angriff der Huthi-Miliz eine Raffinerie den Betrieb einstellen. Die Investmentbank Goldman Sachs schätzt, dass die globalen Dieselexporte derzeit rund 35 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen.
Die Dieselmargen der Raffinerien liegen daher auf einem Rekordniveau. Über 70 Dollar je Fass beträgt der Preisabstand („Crack Spread“) zwischen dem Rohölpreis und dem Dieselpreis in Europa. Die deutschen Raffinerien exportieren daher große Mengen ins Ausland, um von den hohen Preisen zu profitieren. Das zieht dann auch hierzulande die Preise nach oben.
Der gestrige Wochenbericht zum amerikanischen Ölmarkt hat die Nervosität noch verschärft. Die gewerblichen Rohölbestände fielen auf den niedrigsten Stand seit September 2018. Die staatliche Ölreserve schrumpfte die 18. Woche in Folge und markiert mit dem heutigen Rückgang den niedrigsten Stand seit 1983.
Hier die Zahlen des US-Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderungen der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche:
∙ Rohöl: -7,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,3 Mio. Barrel (API)
∙ Heizöl und Diesel: +1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,1 Mio. Barrel (API)
∙ Benzin: ±0,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,9 Mio. Barrel (API)
∙ SPR-Rohöl (Staatliche Ölreserven der USA): -3,8 Mio. Barrel (DOE)
Die europäischen Ölbörsen starten mit Aufschlägen in den neuen Handelstag. Brent-Rohöl kostet aktuell 93,14 US-Dollar je Barrel Die US-Rohölsorte WTI steht bei 85,64 US-Dollar je Barrel . Rotterdamer Gasoil wird zu 1318,50 Dollar je Tonne gehandelt Der US-Dollar ist 0,8733 Euro wert . Der Euro steht bei 1,1449 Dollar.
Nationaler Markt
Auch die Heizölpreise legen am Morgen zu, wenn auch nur moderat. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt aktuell einen landesweiten Durchschnittspreis von 134,25 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Das liegt nur leicht über dem Stand vom Vortag.
Die Kaufbereitschaft bleibt trotzdem gering. Die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher warten ab. In der täglich aktualisierten Lesereinschätzung halten sich Optimismus und Pessimismus die Waage: 52 Prozent der Stimmen rechnen mit fallenden Preisen, 48 Prozent erwarten einen weiteren Anstieg.
Zusätzlich zu den steigenden Rohölpreisen sorgt die Klimakrise für logistische Probleme: Das historische Niedrigwasser am Rhein verschärft sich, was die Frachtraten für Tankschiffe nach oben treibt. Vielerorts wurden die Tiefststände der letzten Jahrzehnte bereits unterschritten. Noch ist unklar, ob der für die kommenden Tage angekündigte Gewitterregen Entlastung bringt.
Angesichts der Ausweitung der Kämpfe im Irankrieg, der internationalen Dieselknappheit und der zusätzlichen Belastung durch die Rheinpegel spricht wenig dafür, dass sich die Lage kurzfristig entspannt. Wer noch einen gut gefüllten Tank hat, kann abwarten. Alle anderen sollten die Preise jetzt zeitnah verfolgen und sich rechtzeitig für den Herbst und Winter versorgen.
Quelle: esyoil