
Internationaler Markt
Die Rohölpreise machten sich gestern wieder auf den Weg zur 100-Dollar-Marke. Bei knapp 95 Dollar war jedoch erst einmal Schluss. Aktuell kostet Brent-Rohöl 93,4 Dollar je Barrel. Das liegt zwei Prozent über dem Wert von gestern und etwa 40 Prozent über den Preisen vor dem Beginn des Irankriegs.
Der Preistreiber ist nach wie vor die Lage am Persischen Golf und das konfuse Vorgehen der Trump-Administration. US-Finanzminister Bessent will am Montag die Einzelheiten der neuen Sanktionen gegen den Iran vorlegen. Es soll „die größte koordinierte wirtschaftliche Isolation in der Geschichte der Welt» werden. Ohne verbale Superlative kommt offenbar auch der Finanzminister Trumps nicht aus.
Die entscheidende Frage ist allerdings, wie sich China verhält, also der seit Jahren größte Abnehmer iranischen Öls. Sollten chinesische Häfen oder Raffinerien tatsächlich auf der Sanktionsliste stehen, wäre der nächste Handelskonflikt programmiert.
Im Moment liegen die iranischen Ölexporte durch die amerikanische Seeblockade fast vollständig brach. Das Analysehaus Kpler meldet, dass ab Ende September praktisch kein iranisches Öl mehr verfügbar sein wird. Schon jetzt sind bis auf zwei Ausnahmen alle Tankerladungen, die vor Singapur liegen, verkauft. Weitere 41 Mio. Barrel iranischen Öls und 22 leere Tanker stecken im Persischen Golf fest.
Chinas Raffinerien müssen sich also demnächst teurer als bisher über den Weltmarkt versorgen oder ab Oktober ihre Verarbeitung drosseln. In beiden Fällen geht es um verlorene Milliardenbeträge.
Für die Straße von Hormus bleiben die Einschätzungen widersprüchlich. Am Donnerstag passierten nach Kpler-Daten nur sieben Handelsschiffe die Meerenge. Bessent spricht nach wie vor von einer offenen Handelsroute und von amerikanischer Kontrolle, aber die geringe Zahl der Schiffe spricht dagegen. Kleinere Schiffe könnten zwar mit ausgeschalteten Transpondern der Zählung entgehen, aber das ist bei großen Öltankern nahezu ausgeschlossen. Die Meerenge kann schon von einem kleinen Hügel aus vollständig überblickt werden, ob nun bei Tage oder in der Nacht.
Damit bleiben die Probleme auch am Ende des sechsten Kriegsmonats unverändert groß: Die Rohölversorgung gelingt nur durch den stetigen Abbau von Reserven, die zwar sehr umfangreich sind, aber früher oder später knapp werden, trotz der in diesem Jahr sinkenden Ölnachfrage.
Gleichzeitig bleiben Ölprodukte wie Diesel knapp. Die Preise werden hier durch den Ausfall russischer Dieselexporte zusätzlich angeheizt. Die Dieselkrise wiederum sorgt dafür, dass auch im Heizölmarkt keine Entspannung in Sicht ist.
Trotzdem starten die Ölbörsen heute erst einmal entspannt in den letzten Handelstag der Woche. Brent-Rohöl kostet aktuell 93,42 US-Dollar je Barrel Die US-Rohölsorte WTI steht bei 86,36 US-Dollar je Barrel Rotterdamer Gasoil wird zu 1287,75 Dollar je Tonne gehandelt Der US-Dollar ist 0,8548 Euro wert
Nationaler Markt
Die höheren Rohöl- und Gasoilpreise ziehen am Morgen auch die Heizölnotierungen nach oben. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt einen landesweiten Durchschnittspreis von 134 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Das ist ein Euro mehr als gestern um diese Uhrzeit. Der Preis bleibt damit am oberen Ende des Preisbandes der letzten vier Monate.
Die Kaufbereitschaft bewegt sich weiter im Mittelfeld. Die Zahl der Bestellungen ist gestiegen und liegt aktuell leicht über dem Durchschnitt.
In der täglichen Lesereinschätzung hat der Preisoptimismus spürbar zugelegt: Fast zwei Drittel der Stimmen rechnen jetzt mit fallenden Preisen, nur 37 Prozent erwarten weitere Aufschläge.
Diese Zuversicht bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern passt jedoch im Moment nicht recht zu den Nachrichten aus dem Ölmarkt. Am Persischen Golf schweigen zwar im Moment die Waffen, aber der Tankerverkehr ist dennoch nahe Null. Hinzu kommen die immer größeren Exportprobleme Russlands und die anhaltende Dieselkrise. Daher gilt nach wie vor, dass Tage mit schwachen Heizölpreisen eine Kaufgelegenheit darstellen.
Quelle: esyoil