Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Während die Preise für Gasöl, das ist das Vorprodukt für Heizöl und Diesel, ihren Aufwärtstrend fortsetzen, beginnen die Rohölpreise in einen solchen einzutreten. Die Gefahr, dass Rohöl in den kommenden Wochen tatsächlich teurer wird, ist allerdings gering. Es gibt starke Argumente dagegen. Eine Trendbremse beim Gasöl kann man indes nicht konstatieren.

Der Anstieg der Ölpreise ist die Konsequenz erwiesener und unerwiesener kriegerischer Angriffe an den virulenten Fronten. So habe der Iran in der Nacht zum Montag mindestens zwei Handelsschiffe in der Straße von Hormus mit Raketen angegriffen. Die Schiffe wurden beschädigt, Verletzte gab es nach bisherigen Angaben aber nicht. Die Vorfälle verschärfen die Spannungen zwischen USA und Iran und könnten die laufenden Friedensgespräche belasten. Unklar ist bislang, wie die USA reagieren werden. Klar ist, dass wir von einer Normalisierung noch weit entfernt sind.

Die Ukraine hat nach eigenen Angaben Russlands größte Ölraffinerie im sibirischen Omsk mit Drohnen angegriffen und dort ein Feuer ausgelöst. Außerdem wurden weitere Ölanlagen und Exporthäfen ins Visier genommen. Die Angriffe lassen die Probleme Russlands bei der Treibstoffversorgung eskalieren. Die stark dezimierte Produktenproduktion führt zu einer Überlastung der Rohöllager. Sie zwingt Russland dazu, mehr Rohöl mit deutlich niedrigeren Preisen zu exportieren und die Ausfuhr von Ölprodukten einzuschränken.

Folgerichtig ist der Preis für russisches Rohöl Anfang Juli von über 60 Dollar pro Barrel um 30 Prozent auf rund 42 Dollar pro Barrel gefallen. Berichterstatter heben hervor, dass dieses niedrige Preisniveau die ohnehin angespannte Haushaltslage Russlands verschärft. Bis Ende Mai wuchs das Defizit auf 2,6 Prozent des BIP an. Damit hat es das Jahresziel bereits deutlich überschritten. Zur Einordnung gehört allerdings, dass die Prognosen für das deutsche Haushaltsdefizit dieses Jahres zwischen 3,5 und 4,1 Prozent vom BIP liegen.

Die Einlassung zum russischen Rohöl öffnet die Tür für das Argumentarium gegen steigende Preise. Es fängt mit der Schifffahrt durch die Straße von Hormus an. Diese normalisiert sich zunehmend. Die Sicherheitslage bleibt zwar angespannt, aber der Exportstau hat sich schneller als erwartet aufgelöst. Das setzt sich in der Ölproduktion der Golfstaaten fort, die ebenfalls schneller als erwartet wieder hochgefahren wird.

So sollen die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ihre Rohölproduktion im Juni auf rund 3,8 Mio. Barrel pro Tag gesteigert haben. Das entspricht einem Sechs-Jahres-Hoch. Möglich wurde das vor allem durch den Austritt aus der OPEC-Plus, deren Förderbeschränkungen damit ablegt wurden. Die VAE verfügen über Produktionskapazitäten von rund 4,8 Mio. Barrel täglich und wollen ihre Förderung in den kommenden Jahren weiter ausbauen.

Die von den VAE verlassene Produzentenallianz OPEC-Plus hat derweil beschlossen, ihre Förderquote im August um weitere 0,188 Mio. Barrel pro Tag anzuheben. Damit setzt das Bündnis den schrittweisen Abbau der Produktionskürzungen aus dem Jahr 2023 fort. Eine ähnliche Erhöhung im September würde die freiwilligen Zusatzkürzungen vollständig beenden. Hier darf allerdings hinterfragt werden, wie viel Wirkung der Beschluss auf den Ölmarkt tatsächlich hat, da viele Alliierte ihre Förderquoten derzeit aus technischen Gründen nicht ausschöpfen können.

Wie dem auch sei, Saudi-Arabien eröffnet den Preiskampf. Es hat seine offiziellen Verkaufspreise für Rohöl im August deutlich gesenkt. Besonders stark fallen die Preisnachlässe für Europa und den Mittelmeerraum mit 15 Dollar pro Barrel sowie für Asien mit elf Dollar pro Barrel aus. Diese Preissenkungen erhöhen den Druck auf andere Förderländer im Nahen Osten, ihre Preise ebenfalls anzupassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Heute Morgen sehen wir an den Ölbörsen noch steigende Notierungen. Für Gasöl lässt sich das durchaus plausibel verargumentieren. Beim Rohöl dürfte es sich indes um eine schnell vergängliche Laune handeln. Leider dient diese Vergänglichkeit nicht den Heizölkunden. Sie hängen am Gasölpreis.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 69,34 Dollar und das Barrel Brent zu 72,84 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 980,50 Dollar. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8749 Euro . Damit kostet der Euro 1,1427 Dollar.

Nationaler Markt

Die Heizölpreise steigen weiter, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie folgen damit den internationalen Vorgaben und ihren eigenen Trendkanälen. Positiv anzumerken ist, dass die beiden kurzfristigen Trends abwärts zeigen. Das schürt natürlich die Hoffnung auf fallende Preise. Angesichts der geopolitischen Unsicherheit kann sich das Blatt allerdings schnell wieder in die andere Richtung wenden. Das droht nun sehr konkret, weil die Preisbewegung in der 3-Monats-Ansicht bereits am oberen Rand des Trendkanals angekommen ist und diesen zu durchbrechen bzw. zu verschieben scheint.

Im Binnenmarkt ist das Kundeninteresse an Heizöl so gut wie nicht vorhanden. Die Hoffnung auf bessere Preise ist auch nicht mehr berauschend. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf niedrigem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem ordentlichen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Das vollständige Ende des erhöhten Preisniveaus ist noch fern. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, kann sich auf alle Fälle gegen das Volltanken entscheiden und dann entspannt deutlich tieferen Preisen entgegensehen.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Quelle: esyoil