Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Nachdem die Unruhegeister am Persischen Golf aus der Flasche sind, ist die alte Ordnung zerstört. Ob es eine neue Ordnung geben wird, steht in den Sternen. Man weiß nicht einmal, ob die Kontrahenten USA und Iran noch an einem beruhigenden Abkommen arbeiten. Manche bejahen das, manche verneinen es.

Die Hardliner in Teheran haben im Verlauf der Entwicklung soviel Oberwasser bekommen, dass sie mittlerweile nicht nur die Straße von Hormus wie ihre Haustür öffnen und schließen, sondern sogar die Huthis im westlichen Jemen bedrängen, Gleiches am südlichen Ausgang des Roten Meeres zu tun. Die Meerenge dort trägt den Namen Straße von Bab al-Mandab. Sie ist derzeit der als sicher betrachtete Weg für den Export saudischen Öls. Der Iran möchte Saudi-Arabien zusammen mit seinen jemenitischen Kampfpartnern in die Zange nehmen, um die Ölexporte durch eine vollständige Seeblockade zu verhindern.

Die ölproduzierenden Anrainer am Persischen Golf verlassen sich nicht mehr auf die USA als Schutzmacht. Anders als diese nehmen sie darüber hinaus Abstand von militärischen Konfrontationen. Ihr Fokus richtet sich auf die langfristige Entwicklung alternativer Transportrouten. So planen Irak und Syrien die Wiederinbetriebnahme der rund 800 Kilometer langen Kirkuk-Baniyas-Pipeline. Sie ging 1952 in Betrieb und ist seit den 1980er-Jahren sowie nach schweren Schäden im Irakkrieg 2003 außer Betrieb gestellt. Nach einer auf zwei bis drei Jahre veranschlagten Sanierung soll die Leitung irakisches Rohöl wieder an die syrische Mittelmeerküste transportieren und damit eine Alternative zur Straße von Hormus schaffen. Das Projekt wird von US-Unternehmen unterstützt und durch die jüngste Annäherung zwischen Washington und Damaskus sowie gelockerte US-Sanktionen gegen Syrien begünstigt.

Für den Irak ist die Pipeline von hoher strategischer Bedeutung, da derzeit rund 95 Prozent seiner Rohölexporte über die geopolitisch sensible Straße von Hormus verschifft werden. Parallel soll auch die Kirkuk-Ceyhan-Pipeline in die Türkei wieder vollständig genutzt werden. Beide Verbindungen könnten langfristig zusammen mehr als 2 Mio. Barrel Rohöl pro Tag transportieren und damit einen erheblichen Teil der heutigen irakischen Exporte von rund 3,2 bis 3,4 Mio. Barrel pro Tag auf alternative Routen verlagern. Zudem verfolgt Bagdad mit der Basra-Haditha-Pipeline ein weiteres Großprojekt, das perspektivisch zusätzliche Exportkapazitäten von bis zu 2,5 Mio. Barrel pro Tag schaffen könnte.

Die genannten Transportmengen stellen technische Ausbauziele dar. Sie werden voraussichtlich erst in mehreren Jahren erreicht. Kurzfristig dürften die tatsächlichen Exportmengen deutlich darunter liegen, da umfangreiche Investitionen, politische Vereinbarungen und der Ausbau der Infrastruktur erforderlich sind. Langfristig könnten die neuen Landrouten die Abhängigkeit des Iraks von der Straße von Hormus jedoch deutlich verringern und die Versorgungssicherheit auf den internationalen Ölmärkten erhöhen.

Am Persischen Golf wird nicht nur Rohöl gefördert. Dort werden auch Raffinerieprodukte wie Gasöl und Benzin produziert. Sie fehlen dem Markt noch stärker als der Rohstoff. Gleiches gilt für Energieträger aus Russland, die aufgrund des Ukraine-Kriegs knapp geworden sind. Die Lage ist für Lieferanten und Konsumenten außerordentlich schwierig. Es gibt aber auch Profiteure des Desasters.

So gewinnt die wachsende Ölproduktion Guyanas für Europas Raffinerien zunehmend an Bedeutung, da sie seit dem Embargo gegen russisches Rohöl auf alternative Bezugsquellen angewiesen sind. In den ersten neun Monaten des Jahres gingen bereits 49 Prozent der guyanischen Rohölexporte nach Europa. 2021 waren es lediglich 16 Prozent. Möglich wurde dies durch den rasanten Ausbau der Förderung auf zuletzt rund 0,35 Mio. Barrel pro Tag. ExxonMobil plant, die Produktion bis 2027 auf 1,2 Mio. Barrel pro Tag zu steigern, wodurch Guyana seine Rolle als wichtiger Lieferant für Europa weiter ausbauen kann.

Auf Produktenseite profitieren beispielsweise südkoreanische Raffinerien. Sie fahren ihre exportorientierten Kapazitäten nun flexibel hoch, um die gestiegene Nachfrage auf dem Weltmarkt bedienen zu können. Die ausreichende Versorgung des heimischen Markts wird dabei nicht vernachlässigt.

Der Markt geht durch eine Phase der Neuordnung. In dieser Zeit muss man mit deutlich höheren Preisen rechnen. Sie werden sich aber wieder normalisieren. Leider weiß niemand, wann das sein wird. Nicht zuletzt deshalb hofft man immer noch auf eine Annäherung zwischen USA und Iran. Pakistan, Katar und weitere Vermittlerstaaten haben beiden Parteien gerade einen Vorschlag für eine zehntägige Waffenruhe unterbreitet. Dieser sieht neben einer Feuerpause auch die Wiederherstellung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus vor.

Die Ölbörsen reagieren darauf, indem sie den laufenden Aufwärtsdrang der Notierungen aussetzen. Eine Umkehrung der Bewegung vermögen derartige Bemühungen indes nicht mehr hervorzurufen.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 82,29 Dollar und das Barrel Brent zu 88,18 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.198,00 Dollar Der US-Dollar kostet aktuell 0,8753 Euro Damit kostet der Euro 1,1422 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise halten kurz inne, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie folgen damit den internationalen Vorgaben. Dieser Umstand kann aber nicht verhindern, dass der Abwärtstrend im kurzfristigen Zeitbereich zerstört ist. Man muss davon ausgehen, dass er weiter steigen wird. Unter den kaufrelevanten Zeitansichten weist nur noch der Trend in der 6-Monatsansicht abwärts.

Ein weiterer Grund für die hohen Heizölpreise ist die Lage auf den deutschen Wasserstraßen. Viele von ihnen leiden an Niedrigwasser. Das führt zu hohen Frachtkosten. Auf dem Rhein sind sie seit Monatsbeginn zwischen 50 und 70 Prozent für Passagen in westdeutsche Häfen und zwischen 150 und 180 Prozent für Passagen in südwestdeutsche Häfen gestiegen.

Im Binnenmarkt ist das Kundeninteresse an Heizöl außerordentlich gering. Die Hoffnung auf bessere Preise ist auch perdu. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf niedrigem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem klaren Minderheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Vom Ende des erhöhten Preisniveaus kann man derzeit nur träumen. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, sollte sich für den Kauf einer Teilmenge entscheiden und dann entspannt auf deutlich tiefere Preise warten.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Quelle: esyoil