Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Allen Beteuerungen des Weißen Hauses über die volle Kontrolle der Straße von Hormus zum Trotz ergibt man sich am Ölmarkt dem Schicksal der Unberechenbarkeit. In den Monatsberichten der drei Institutionen, EIA (US-Energiebehörde), OPEC und IEA (OECD-Energiebehörde) macht sich diese Einstellung durch ein abermals gesenktes Ölangebot und eine reduzierte Ölnachfrage in 2026 bemerkbar. Der Nachfragerückgang gilt als preisbedingt. In 2027 soll der demoliierte Ölmarkt wieder aufblühen. Die konkreten geopolitischen Umstände, die das ermöglichen sollen, nennen die Statistiker allerdings nicht. Sie gehen schlicht davon aus, dass die Waffen dann schweigen und die technischen Kapazitäten der Ölinfrastruktur wieder hergestellt sein werden. Das kann so sein, das muss aber nicht so sein. Mindestens die iranische und die russische Führung glauben mit Krieg gut leben zu können, während ihre Gegenspieler zu Recht oder zu Unrecht der Meinung sind, Krieg nur mit Krieg bekämpfen zu können.

So bleiben die Spannungen zwischen USA und Iran hoch. Washington signalisiert, eine Seeblockade notfalls unbegrenzt fortzuführen und den wirtschaftlichen Druck auf Iran mit weiteren Maßnahmen deutlich zu verschärfen. Iran wiederum droht mit dem Übergang zu einer offensiveren Kriegsführung, sollten seine Forderungen nicht erfüllt werden. In der Straße von Hormus wurden dem Vernehmen nach wieder zwei Tanker der Abu Dhabi National Oil Company angegriffen, wobei es weder Tote noch Verletzten gab. Die Vereinigten Arabischen Emirate machen Iran verantwortlich, verurteilen den Angriff als Verstoß gegen eine UN-Resolution und fordern Teheran zur Beendigung der Feindseligkeiten sowie zur vollständigen Öffnung der Meerenge auf. Iran hat die Vorwürfe bislang nicht kommentiert.

Derweil setzt die Ukraine ihre Drohnenangriffe auf die russische Energieinfrastruktur fort. Gestern wurde dabei offenbar einer der größten Raffinerie- und Petrochemiekomplexe in Salawat getroffen. Die zunehmenden Angriffe haben die russische Rohölverarbeitung bereits deutlich reduziert und zu Kraftstoffengpässen sowie Exportverboten für Benzin und Diesel geführt. Am Markt wächst daher die Erwartung, dass die Exportbeschränkungen länger bestehen bleiben. Ölprodukte werden in diesem Fall aufgewertet, während Rohöl infolge sinkender Raffineriekapazitäten günstiger wird.

Fatalismus ist keine Option. Saudi-Arabien nimmt nach fast einem Monat offenbar wieder Exporte über das weltgrößte Ölterminal bei Ra‘s Tanura und die Straße von Hormus auf. Zuvor hatte das Land seine Exporte wegen des Konflikts mit Iran verstärkt über Yanbu am Roten Meer abgewickelt. Da inzwischen jedoch Huthi-Angriffe auch diese Route erheblich beeinträchtigen, versucht Riad trotz der Risiken erneut, den östlichen Exportweg zu nutzen. Aufgrund der erschwerten Ausfuhren kann Saudi Aramco seine September-Lieferungen an asiatische Kunden allerdings nur kurzfristig und individuell zuteilen. Selbst bestätigte Lieferungen bleiben unsicher, da Tanker und Versicherungen für die riskanten Routen nur schwer verfügbar sind.

Auch Kasachstan hat im Juli aufgrund von Störungen und Drohnenangriffen mit Umleitungen reagiert. Bisher wurden mehr als 80 Prozent der Öllieferungen über das CPC-Exportterminal am Schwarzen Meer abgewickelt. Ein Teil davon ist nun auf alternative Routen verlagert. Dabei wurden insbesondere die Lieferungen über Russland nach Samara sowie nach China erhöht. Zusätzlich prüft Kasachstan die Pipeline Baku–Supsa über Aserbaidschan und Georgien als weiteren alternativen Exportweg.

Der Ölstrom in die Verbraucherländer wird beim Status quo nicht abbrechen, er wird nur unberechenbar und teuer bleiben. Ein weiterer Anstieg der Ölpreise ist indes nicht zu befürchten. Dem werden Verbraucher mit ihrer derzeitigen Kaufzurückhaltung entgegenwirken.

Noch nicht einzuordnen ist folgender Vorfall mit bullischer Preiswirkung: Im Rotterdamer Hafen kam es zu mehreren Zwischenfällen an der Energieinfrastruktur. Auf dem Gelände explodierte ein Tank des Ölgiganten Gunvor. Dabei starb ein Mensch und mehrere andere wurden verletzt. Zudem wurde die ExxonMobil-Raffinerie in Botlek nach Rauchentwicklung und einem Stromausfall heruntergefahren, während weitere Stromausfälle und ein Brand in einem Umspannwerk gemeldet wurden. Ursachen, mögliche Zusammenhänge und das Ausmaß der Betriebsstörungen sind bislang unklar. Aufgrund jüngerer Erfahrungen lässt sich ein Gedanke an russische Sabotage allerdings nicht vermeiden.

An den Börsen wird Öl nach einem beschaulichen Rückgang am Vortag wieder teurer. Die Spitzennotierungen von gestern wurden aber noch nicht überschritten. Das gilt für Rohöl und für Gasöl gleichermaßen.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 82,90 Dollar und das Barrel Brent zu 88,64 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.242,75 Dollar. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8652 Euro Damit kostet der Euro 1,1555 Dollar.

Nationaler Markt

Die Heizölpreise geben etwas nach, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie bilden damit die Vorgaben des späten gestrigen Börsenhandels ab. Weder der Preisrückgang in der letzten Woche noch der aktuelle Anstieg haben an der Konstellation der Trends etwas geändert. In den verschiedenen Zeitbereichen dominieren Aufwärtskanäle eindeutig die kaufrelevanten Perioden. Angesichts der geopolitischen Umstände ist kaum etwas anderes zu erwarten.

Die Frachtraten auf dem Rhein befinden sich weiter auf dem hohen Niveau der letzten Woche. Auch in den kommenden Tagen werden kaum Veränderungen erwartet, da die eingeschränkte Befahrbarkeit auf eine zeitgleich gedämpfte Nachfrage aufgrund hoher Ölpreise und der Ferienzeit trifft. Die Rheinpegel wirken im Moment einigermaßen stabil auf extrem niedrigem Niveau. Die Vorhersage eines 63-Jahre-Tiefs von 2,90 Meter bei Maxau ist erfreulicherweise noch nicht eingetreten.

Im Binnenmarkt ist das Kundeninteresse an Heizöl wieder eingeschlafen. Die Hoffnung auf bessere Preise ist indes etwas belebter. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf niedrigem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem aussageschwachen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Vom Ende des erhöhten Preisniveaus kann man derzeit nur träumen. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, sollte sich für den Kauf einer Teilmenge entscheiden und dann entspannt auf deutlich tiefere Preise warten.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Quelle: esyoil