
Internationaler Markt
Die Ölpreise sind auf ein neues Kriegshoch gestiegen. Dabei kam Rohöl der Sorte Brent noch relativ glimpflich davon. Der Wert liegt knapp über der Markte von 110 Dollar pro Barrel. Härter traf es die US-Standardsorte West Texas Intermediate (WTI), die bei rund 115 Dollar notiert. Hier ist nicht der Abstand zu Brent beeindruckend, sondern die Tatsache, dass WTI seit Gründonnerstag teurer gehandelt wird als Brent. Physisch lässt sich das zwar rechtfertigen, weil der US-Rohstoff gehaltvoller ist. Am Markt war WTI aber über eineinhalb Dekaden günstiger als Brent, weil es global weniger nachgefragt wurde. Das deutet auf einen fundamentalen Regimewechsel hin. Den Preisvogel hat allerdings Gasöl abgeschossen. Das Vorprodukt für Heizöl und Diesel ist nun teurer als der Spitzenwert zu Beginn des Ukraine-Kriegs.
Die Ursache für die Preisentwicklung liegt auf der Hand. Es ist die zunehmende Eskalation im Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Der US-Präsident verschärft seine Zerstörungsankündigungen deutlich, während Zweifel an der militärischen Kontrolle der USA im Allgemeinen und über den iranischen Luftraum im Speziellen aufkommen. Eine Öffnung der wichtigen Straße von Hormus wird dabei immer unwahrscheinlicher. Trump hatte dem Iran zuvor ein Ultimatum gesetzt, die Meerenge wieder zu öffnen, und dieses kurzfristig verlängert. Andernfalls drohten Militärschläge gegen iranische Energieinfrastruktur. Der Iran lehnt einen vorgeschlagenen Waffenstillstand jedoch ab.
Die USA befinden sich nun genau da, wo Donald Trump sie vor seiner Präsidentschaft nie haben wollte, in einem Krieg ohne definiertes Ziel und ohne erkennbares Ende. Erfahrenere Politiker halten die erzwungene Öffnung der Straße von Hormus mittlerweile für riskant und unrealistisch. Stattdessen wünschen sie den Dialog mit dem Iran und internationale Zusammenarbeit, um die wichtige Handelsroute langfristig zu sichern.
Am Ölpreis rütteln auch andere Einflüsse. Ein ebenfalls bullisch wirkender ist der Drohnenkrieg der Ukraine gegen Russland. Die zunehmenden Angriffe auf Energieanlagen und Exporthäfen haben die Öllieferungen deutlich einbrechen lassen, zeitweise um bis zu 40 Prozent. Inzwischen stoßen Lager und Transportkapazitäten an ihre Grenzen, weshalb russische Ölproduzenten ihre Förderung in Kürze reduzieren müssten. Diese Entwicklung wird nicht nur Russlands Einnahmen schmälern, was angesichts der Preissteigerung nur relativ stattfindet, sondern auch die globale Ölversorgung weiter unter Druck setzen und die Lage am ohnehin angespannten Markt verschärfen.
Eine preissenkende Wirkung könnte man indes den Bemühungen einiger OPEC-Plus-Mitglieder zuschreiben. Acht Länder, die freiwillig über die gesetzten Quoten hinausgekürzt hatten, haben im letzten Jahr begonnen, ihre Förderung wieder hochzufahren. Für April und Mai dieses Jahres liegen Beschlüsse vor, den Aufbau fortzusetzen. Die Entscheidung hat aktuell aber kaum Auswirkungen auf den Markt, da sie nicht umgesetzt werden kann. Die Störungen in der Straße von Hormus sowie Angriffe auf die Energieinfrastruktur verhindern eine tatsächliche Erhöhung der Produktion. Vor diesem Hintergrund wird auch OPEC-Plus nicht müde, vor den Folgen der Kriegsführung zu warnen. Die beschädigten Anlagen könnten nur langsam wiederhergestellt werden und die globale Versorgungssicherheit sowie die Marktstabilität würde darunter leiden.
Da derzeit kein Sinneswandel seitens der USA zu erkennen ist, gibt es wenig Hoffnung auf eine grundsätzliche Umkehr der Preisbewegung. Einzelne Rückgänge gehören angesichts der heiß gelaufenen Notierungen allerdings zur Tagesordnung. Heute Morgen sahen wir an den Ölbörsen zunächst neue Höchststände. Zur Stunde geben die Preis aber nach.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 113,50 Dollar und das Barrel Brent zu 110,93 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.563,75 Dollar. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8638 Euro. Damit kostet der Euro 1,1575 Dollar.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise steigen weiter, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Auch sie haben neue Kriegshöhen erreicht. Von den Spitzenwerten zu Beginn des Kriegs in der Ukraine sind sie aber noch weit entfernt. Man kann diese Tatsache unterschiedlich interpretieren. Die Teuerung hätte viel schlimmer ausfallen können oder sie kann noch viel schlimmer werden. Die geopolitischen Umstände und die Preischarts der Heizölpreis-Tendenz machen es schwer, optimistisch zu sein. Aktuell regieren politischer Erfahrungsmangel und unerbittlicher Aufwärtstrend.
Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt bekam ein Hauch von Leben aus Angst vor weiter steigenden Preisen. Die Hoffnung auf tiefere Preise ist am Boden zerstört. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf niedrigem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem deutlichen Minderheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Freiwillig kauft man in diesen Tagen natürlich kein Heizöl. Es sei aber darauf hingewiesen, dass der Preis weiter steigen dürfte und dass man auf keinen Fall volltanken muss.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Quelle: esyoil